Amanohara


 
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Zeit
Wetter und Zeit

Es ist Morgen, 7.00 Uhr

Nach einer klaren Nacht ziehen nun von Osten her Wolken auf. Über dem nördlichen Meer braut sich eine Front zusammen, die auch bereits von der Küste aus zu sehen ist. Es herrscht ein feuchter Ostwind.
In Tinae geht etwas verspätet die Sonne auf, noch wird der Himmel lediglich von einzelnen Schäfchenwolken bedeckt.
In der Höhe liegt Raureif bei spätwinterlichen Temperaturen, auf tieferen Ebenen ist es trocken und etwas wärmer bei leichtem Südostwind.
Im Südenwesten ist es vorläufig noch klar und es ist ein schöner Sonnenaufgang zu geniessen.
Was gerade los ist
Ereignisse & Plots

Ereignisse:
Die Gildenkämpfe haben sich gelegt, doch die unmittelbaren Folgen sind deutlich sichtbar: verbarrikadierte, beschädigte oder sogar abgebrannte Häuser und unzählige Verletzte. Die Säle der Heilergilde sind zum Bersten voll und es fehlt an fast allem: Material, Platz und Helfer. Jede helfende Hand ist sofort willkommen.
Die Aufräumarbeiten sind schneller angelaufen, aber auch hier könnten zusätzliche Arbeitskräfte gebraucht werden.
Zudem wollen manche Gilden ihre Position verstärken und sind nun auf der Suche nach neuen Mitgliedern.

Plots:
- Eine Elfe in Amanohara?
- Wir waren es nicht!
- Mirars Vermächtnis
- Rekruten gesucht
- Gelehrte verschollen

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 Hospiz

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Akiko Yoe
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BeitragThema: Re: Hospiz   So Aug 31, 2014 5:32 am

Akiko bangte innerlich, doch Lorek ergriff schnell die Gelegenheit zur Versöhnung. Ihr fiel regelrecht ein Stern vom Herzen. Obwohl er ein Söldner war, so schien sein Gemüt doch eher friedlich gesinnt zu sein. Er witzelte über den brutalen Söldner seiner Gedanken, bis er sich schließlich vor Lachen nicht mehr halten konnte.
Zunächst wirkte die junge Frau überrascht, doch dann lächelte sie erleichtert. Das Missverständnis hatte sich aufgelöst und die ganze Angelegenheit entspannte sich augenblicklich. Akiko war sich nicht hundertprozentig sicher, was Lorek unter einer Schattenkriegerin verstand, doch im groben konnte sie es sich vorstellen. Gewiss würde sie nicht nachfragen. Für den Moment hatte sie genug Verwirrung gestiftet. Und von adligem Blut war sie weißgott nicht.
„Nein. Weder noch.“, antwortete sie ihm schnell. Wie gut, dass „Diebin“ nicht zur seiner Aufzählung gehörte. Er lächelte wieder so fröhlich wie vor einigen Minuten, als er sich im Hospiz vorgestellt hatte. Nun stellte er sich ein zweites Mal vor und reichte ihr die Hand.
Dieses Mal ergriff sie sie schnell, bemüht, diesmal alles besser zu machen.
„Hallo! Ich heiße Akiko. Es freut mich ebenfalls!“, sprach sie eifrig.
„Ich bin eine Reisende und neu hier in der Stadt angekommen. Und das hier“, sagte sie, während sie mit ihrer Hand auf Kha deutete, „ist mein Begleiter. Wir haben Tinae erst vor ein paar Stunden erreicht. Nun sind wir auf der Suche nach Arbeit. Eine Heilerin war uns zufällig auf dem Marktplatz begegnet. Sie brachte uns hier her“, erklärte sie dem Söldner. Wiederholt machte er ihr ein Kompliment, welches sie sehr wohl registrierte, jedoch nicht daran anknüpfte. Akiko war es nicht gewohnt Fremden gleich so viel von sich preis zu geben, doch wenn sie sich hier zurechtfinden wollte, würde sie sich das wohl angewöhnen müssen. Normale Menschen waren wohl nicht so ängstlich wie sie und sahen nicht hinter jedem Busch einen Feind. Und dass zu viel unbegründete Vorsicht auch nach hinten losgehen konnte, hatte sie ja gerade eben erlebt.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mo Sep 01, 2014 1:26 am

Da sich das Missverständnis nur aufgelöst hatte, stellte sich die fremde Kriegerin endlich vor. Akiko war also ihr Name. Leider sagte ihm das nicht mehr als er bereits vom Aussehen erraten hatte: sie war  nicht von hier. Dass sie sich als „Reisende“ bezeichnete, warf bei Lorek die Frage nach ihrem wahren Beruf auf. Darüber sorgte er sich jedoch nicht übermässig. Es waren unruhige Zeiten und seiner Erfahrung nach brachte es nicht viel, hartnäckig unangenehme Fragen zu stellen. Später, wenn sie vertrauter geworden waren, würden sie ihm vielleicht mehr erzählen.
Er begrüsste auch den Mann mit einem Nicken, als Akiko ihm ihren schweigsamen Begleiter vorstellte, ohne jedoch dessen Namen zu erwähnen. Auch den würde er später sicher noch erfahren.
„Arbeit sucht ihr“, sagte er nachdenklich, nachdem er Akikos dürftigen Erklärungen belauscht hatte. Die Frau gab aber auch überhaupt nichts preis, was sie wohl zu verbergen hatte? Sie hatte sich noch nicht einmal eine passende Geschichte ausgedacht. Er betrachtete sie kurz und fragte dann doch nach: „Arbeit suchen zur Zeit viele. An welche Art von Arbeit habt ihr dann gedacht.“ Mochten sie auch keine Fragen mögen, „Arbeit“ war nun einmal ein schwammiger Begriff und so auf die Schnelle konnte Lorek nicht erkennen, wo ihre Talente lagen. Kam noch dazu, dass er sich nicht erneut auf Spekulationen einlassen wollte.

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Kha Temeh
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BeitragThema: Re: Hospiz   Sa Sep 06, 2014 10:56 am

Er erwiderte das Nicken des Mannes, als Akiko ihn als ihren Begleiter vorstellte. Im Gegensatz zu ihr musste er weder seine Herkunft noch seinen vollständigen Namen verheimlichen. Nur sein Vorhaben würde er nicht an die große Glocke hängen. "Mein Name ist Kha Temeh." ,sagte er und deutete eine leichte Verbeugung an. Lorek hakte nun nach um welche Art von Arbeit es sich handelte. Der Jäger beschloss sich langsam ins Gespräch mehr ein zu bringen. Auch wenn die Unsicherheit Akiko's nicht mehr so stark zu sein schien, wollte er ihr doch etwas zur Seite stehen. "Jegliche Arbeit die wir mit gutem Gewissen verrichten können. Man sagte uns die Falkner würden noch Jäger suchen und auch von den Heilern erzählte man uns das sie Hilfe gebrauchen könnten. Wir wollen nur etwas Geld verdienen um Unterkunft und Verpflegung zu sichern. Wir haben nicht vor hier sesshaft zu werden." ,erklärte er. Ob der Söldner ihm vielleicht sogar Hinweise dahingehend geben konnte wie er zu den Kriegern dazu stoßen konnte die sein Dorf zerstört hatten? Doch der Schwarzhaarige beschloss ihn nicht da mit hinein zu ziehen. Es war ganz allein seine Rache. Er hoffte das seine Antwort tiefgehend genug war um Lorek zufrieden zu stellen. Sie hatte deutlich gemacht das sie weder als Diebe, Mörder oder Krieger angeworben werden wollten oder gar ihre Körper verkaufen würden.
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Akiko Yoe
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BeitragThema: Re: Hospiz   Sa Sep 13, 2014 1:19 am

Wie erleichternd! Kha fügte sich in die Unterhaltung mit ein und begann zu erzählen. Wie von ihm gewohnt antwortete er souverän und sachlich auf die von Lorek gestellten Fragen. Dem war wohl nichts mehr hinzu zu fügen.  Wie konnte er nur immer so gelassen bleiben? Wobei…Akiko hatte ihn ja leider auch schon anders kennen gelernt. Unbewusst fuhren ihre Finger über ihre Kehle, wo sie die leichte Schnittwunde spüren konnte.

„Wie lange lebt ihr schon in der Stadt, Lorek?“, erkundigte sich die junge Frau. Für die beiden, und ganz besonders für Akiko, war die Stadt natürlich noch ein unergründetes Labyrinth. Es war sicher kein Fehler jemanden zu kennen, der sich in der Stadt auskannte. Wer wusste schon, was Kha und ihr noch passieren würde.

Kha´s Racheplan erschien kurz in ihren Gedanken. Und sie hoffte, dass sie die Männer, die sein Dorf verwüsteten und seine Freunde und Familie töteten, am besten niemals finden würde. Kha würde zwar nie seine Rache bekommen…doch dafür sein Leben behalten.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Fr Sep 19, 2014 6:40 am

Arbeit, die man mit gutem Gewissen verrichten konnte. Na prima! Lorek stöhnte innerlich auf, diese Antwort brachte ihn ja wirklich viel weiter. Als ob er ihnen die wahrscheinlichsten Treffpunkte der Diebe gezeigt oder ihnen zu Betrügereien geraten hätte. In ihrer Gegenwart waren die Leute wahrscheinlich sowieso zu aufmerksam, ganz abgesehen davon, dass er die Unterwelt nicht dezimiert hatte, um ihnen wieder neue Mitglieder anzuwerben. Wenigstens halfen ihm die weiteren Worte des Mannes weiter, der sich endlich auch vorstellte. Sein Name klang ebenfalls ungewöhnlich, er war ebenfalls definitiv nicht aus der Gegend.
„Ihr könnt euer Glück ja mal bei den Falknern versuchen, aber keine Ahnung, ob ihr Erfolg haben werdet. Die Nachfrage nach Fleisch ist zurückgegangen, seit die vielen adeligen Hasenfüsse die Stadt verlassen“, brummte Lorek, während er nachdachte. „Und den Heilern zu helfen wird bestimmt gut für euer Gewissen sein, wenn auch nicht gleich profitabel für euer Geldbeutel“, fügte er mit einem leichten Grinsen hinzu. „Nein, im Ernst, momentan gibt es genau zwei Sachen im Überfluss in Tinae: verletzte Gildenmitglieder und zerstörte Häuser. Also versucht ihr euch am besten als Wundheiler oder Aufräumarbeiter.“
Er legte die Stirn in Falten und schwieg eine Weile. Da stellte Akiko ihre Frage und Lorek wandte sich ihr zu. „Noch nicht allzu lange“, gab er zur Antwort. „Momentan wohne ich seit einer knappen Woche in Tinae, aber ich komme mit Händlerkarawanen des öftern hier vorbei. Ich heuerte meist als Begleitschutz von Händlern an“, fügte er ergänzend hinzu. „Aber nun gibt es ja kaum Handelskarawanen mehr und damit sitze ich nun in dieser Stadt praktisch fest.“
Leicht missmutig zog Lorek die Augenbrauen zusammen, erholte sich aber anscheinend schnell von dieser Gemütslage. Bereits wieder mit einem leichten Lächeln warf er ein: „Vielleicht schliesse ich mich ja einer Kriegergilde an, da wäre sicherlich für Arbeit und Essen gesorgt, und in jeder Stadt einen Schlafplatz zu haben wäre auch nicht schlecht.“

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BeitragThema: Re: Hospiz   Fr Sep 19, 2014 9:59 am

All die Vorgänge in dieser Stadt waren für ihn wirklich noch ein Rätsel. In der Welt außerhalb seines Dorfes passierte scheinbar eine Menge von dem er nichts verstand. Vermutlich ging es Akiko genau so. Der Vorschlag bei den Aufräumarbeiten zu helfen war gar nicht mal so schlecht. Kha war körperliche Arbeit gewöhnt. Vielleicht konnte er damit etwas dazu verdienen. Doch vorerst würden sie ihre Aufgabe bei den Heilern erfüllen. Zumindest bis er... Der Jäger horchte auf und schien aus seiner ruhigen, reservierten Haltung heraus zu kommen. "Die Kriegergilden? Sind das die Trupps die durch die Stadt patrouillierten und die Leute in Angst und Schrecken versetzt haben?" ,fragte er nach mit solchem Nachdruck ,als würde sein Leben von der Antwort abhängen. Wenn sie sogar Mitglieder suchten sollte es ein Leichtes sein sich ihnen an zu schließen! Er würde mehr über sie erfahren und konnte sie von innen heraus auslöschen! Kha bemerkte wie er wieder die Hände zu Fäusten geballt hatte, das seine Fingerknöchel weiß hervor traten. Mühsam zwang er sich dazu Ruhe zu bewahren und sah Lorek direkt ins Gesicht. Seine dunklen Augen spiegelten Entschlossenheit wider und schienen wieder um einiges dunkler geworden zu sein. "Wir sahen zuvor eine Gruppe von Männern und Frauen über den Markt gehen. Sie trugen alle ein Zeichen auf ihren Kleidern. Zwei gekreuzte Schwerter." Sein Herz hämmerte bedrohlich gegen seinen Brustkorb. Sollte es wirklich diese Gilde sein die Mitglieder suchte!?
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BeitragThema: Re: Hospiz   So Sep 21, 2014 6:44 am

Anders als in ihrer Heimat, wo die Tage und Nächte doch nahezu immer nach dem gleichen Schema abliefen, schien eine große Stadt wie Tinae ständig Bewegung zu sein. Überraschenderweise war Lorek auch noch nicht so lange in Tinae. Das hatte Akiko anders vermutet. Sein offenes und unbeschwertes Gemüt ließen sie annehmen, dass er hier heimisch war. Weit gefehlt. So wie es klang schien er gar kein festes zu Hause zu haben. Lorek sprach etwas an, was Kha noch mehr aufhorchen ließ als sie. Kriegergilden. Die Unterhaltung nahm nun eine ungünstige Wendung. Wie befürchtet hakte Kha sofort energisch nach und erkundigte sich genauer bei Lorek. Akiko wollte irgendetwas einwerfen, um von dem angeschnittenen Thema abzulenken. Den Mund bereits geöffnet um etwas zu sagen, schloss sie diesen kurz darauf wieder und verzog die Augenbrauen ein wenig. Es war sinnlos. Vermutlich würde er ihr gar nicht zuhören, ganz gleich was sie nun sagen würde. Besorgt ließ sie ihren Blick über seine geballten Hände wandern. In ihm war ein Feuer entfacht, geschürt durch seine Rachegelüste, die nun unaufhaltsam wieder an seine Oberfläche krochen. Akiko wollte ihre Hand auf seine Schulter legen, hielt jedoch kurz davor inne und zog ihre Hand schnell zurück. Ihr Herz schlug schneller. Als Kha sie mit dem Dolch verletzte, befanden sie sich in einer ähnlichen Situation. Einer Situation, wo er kaum noch Herr über seine Sinne zu sein schien. Besorgt blickte sie nun zu Lorek hinüber mit einem hoffenden Blick als wollte sie ihm sagen: Bitte sagt, dass es nicht so ist.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mo Sep 29, 2014 10:19 pm

Als Lorek die Kriegergilden erwähnte, geschah etwas seltsames mit dem schweigsamen Kha. Ganz deutlich konnte er spüren, wie sich der Fremde wandelte, als hätte man einen schlafenden Drachen aufgeweckt und der fixierte einem nun mit seinen flammenden Augen. Gelassen erwiderte Lorek Khas Blick und konnte in den dunklen Augen des Fremden so vieles entdecken. Unter der Oberfläche des ruhigen Mannes schlummerte eine tödliche Entschlossenheit, die ihn vollkommen einnehmen konnte. Momentan kämpfte er sie noch nieder, aber viel fehlte nicht, bis der Drache die Oberhand gewinnen könnte. Was diese Entschlossenheit ausgelöst hatte, war nicht zu erkennen, jegliches andere Gefühl war vom Drachen unterdrückt. Ganz klar war ihm jedoch, dass es die Kremso-Gilde war, gegen die sich der Drachen richtete. Und er würde auch vor seinem Tod nicht zurückschrecken. Lorek hatte diesen Ausdruck schon so viele Male gesehen. Gewissermassen schlummerte auch in seinem Inneren einen Drachen, den er jedoch gut unter Kontrolle hatte. Ganz im Gegensatz zu diesem Mann hier.
Bevor er Kha antwortete, warf er einen kurzen Blick auf Akiko und bemerkte sofort auch deren veränderten Gesichtsausdruck. Sie blickte so besorgt wie eine Mutter am Krankenbett ihres Kindes und wirkte ebenso hilflos. Lorek bemerkte, wie sie ihre Hand nach Kha bereits ausstreckte und sie dann schnell zurückzog. Ganz offensichtlich kannte sie den Grund für Khas Verhalten, hatte jedoch keine Ahnung, wie sie ihm helfen konnte, den Drachen niederzukämpfen. So warf sie ihm, dem Unbekannten, einen flehenden Blick zu, als ob er ihr Problem lösen könnte.

„Der Orden der roten Schwerter von Kremso“, antworte Lorek schliesslich auf Khas Frage. „Sie tragen dieses Zeichen. Und sie sind sicherlich die einflussreichste und stärkste Kriegergilde, der ein einfacher Mann beitreten kann.“ Er warf erneut einen Seitenblick auf Akiko und fügte dann hinzu: „Wenn du mit Waffen vertraut bist und die Aufnahmeprüfungen schaffst, kannst du jederzeit beitreten. Ansonsten musst du wohl oder übel bis Anfang nächsten Monat warten, wenn wieder ein Ausbildungskurs für Frischlinge startet. Aber egal wie du anfangs eingestuft wirst, die Rekrutenzeit soll sehr anstrengend und entbehrungsreich sein. Und lernst du nicht genug schnell, können sie dich jederzeit wieder auf die Strasse werfen“, fügte Lorek hinzu. „Die Gilde kann es sich erlauben, wählerisch zu sein. Täglich klopft ein Dutzend Leute an ihre Türe und möchte sich den Prüfern stellen. Bevor du das tust, würde ich dir noch einiges an Training empfehlen.“
Gut möglich, dass er mit diesen Worten den Drachen zum Ausbruch brachte. Aber Lorek war ein erfahrener Kämpfer und während er äusserlich gelassen blieb, stellte er einen Fuss leicht nach vorne, um einen sicheren Stand zu haben und einen allfälligen Angriff abwehren zu können.

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BeitragThema: Re: Hospiz   So Okt 05, 2014 2:54 am

Der Orden der roten Schwerter von Kremso. Das war also der Name dieser Krieger. Allein diesen zu wissen wirkte schon wie Säure in seinem Körper. Sein sonst so klarer und friedlicher Blick war wie verschwommen. Rote, bedrohliche Farbe mischte sich in sein Blickfeld und holte all die Erinnerungen hervor die er mit diesen Männern und Frauen verband.
Er sah sich wieder im Gebirge stehen, ihnen gegenüber. Freundlich und aufgeschlossen. Wie er auf sie zu ging und sie ansprach. Bereit neue Bekanntschaften zu schließen, sie als Gäste im Dorf zu empfangen...
Dann schnellte der Dolch nach vorne und bohrte sich ohne jegliche Vorwarnung in seinen Körper. Kha schloss die Augen im selben Augenblick und holte sich mühsam wieder ins Hier und Jetzt zurück. Sein Atem ging schnell. Noch immer waren seine Hände zu Fäusten geballt. Fast hätte er die warnenden Worte des Kriegers überhört. Er durfte diese Informationen nicht überhören! Er wollte um jeden Preis herausfinden wie er der Gilde beitreten konnte und was dafür nötig war. Die Augen weiterhin geschlossen haltend, lauschte er Lorek's Worten. Sein Herz schien zerrissen. Einerseits wollte er nicht länger warten. Wollte lieber jetzt als später seinen Dolch gegen diese Monster erheben! Ihre Gilde niederbrennen! So viele wie möglich von ihnen mit in den Tod reißen und dann endlich ebenfalls seinen Frieden und die letzte Ruhe finden... Wieder mit seiner Familie, den Dorfbewohnern und Feh vereint sein.
Doch andererseits...war dem Jäger durchaus bewusst das er noch nicht bereit war. Er konnte mit dem Bô-Stab umgehen, mit dem Dolch auch Ziele in weiter Ferne treffen...doch das reichte niemals aus um in einer Kriegergilde zu bestehen. Er war nicht so weit gekommen um völlig kopflos in sein Verderben zu rennen.
So ließ er resignierend die Schultern wieder sinken. Seine Hände lösten sich aus ihrem Griff ins Leere und als er die Augen wieder öffnete, wirkten diese nur noch traurig und erkennend. Im Augenwinkel bemerkte er wie Akiko die Hand hob um sie ihm wohl auf die Schulter legen zu wollen. Kurz wand er den Blick zu ihr, senkte ihn dann wieder zu Boden und nickte. "Ich verstehe." ,meinte er monoton und hob wieder den Kopf. "Aber man sagte uns das man unsere Hilfe hier in der Heilergilde brauchen würde. Morgen erfahren wir sicher mehr darüber." Er musste geduldig sein. Und er musste trainieren. Am Anfang des kommenden Monats bekam er vielleicht seine Chance.
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Akiko Yoe
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BeitragThema: Re: Hospiz   So Okt 26, 2014 5:49 am

Ihr Herz pulsierte schmerzhaft, während sie die Worte von Lorek hörte. Sie hatte es befürchtet und dennoch gehofft, dass er etwas anders erzählen würde. Selbst, wenn es eine Lüge gewesen wäre, wäre es ihr recht gewesen. Doch ihre Hoffnung wurde binnen weniger Sekunden zerschlagen. Kha hatte sie gefunden, die Mörder seiner Familie.  Anfangs war Kha wie gefesselt, schien dann jedoch einzusehen, dass er seine Rache nicht so schnell bekommen würde. Trotzdem lag seine Chance nun in absehbarer Ferne. In weniger als einem Monat würde ein Ausbildungskurs beginnen und Akiko war natürlich klar, dass er daran teilnehmen würde…sein Racheplan war ein Himmelfahrtskommando.  Ein einziger Mann konnte niemals in der Lage sein eine ganze Gilde zu besiegen. Doch sie hatte in der kurzen Zeit, in der sie mit Kha aus den Tiefen des Waldes nach Tinae gewandert war, verstanden, dass diese Tatsache dem Jäger völlig gleichgültig war. Kha war anders als viele andere Menschen, denen sie in ihrem bisherigen, zugegeben eingeschränktem, Leben begegnet war, weshalb sie der Gedanke an seinen Verlust beängstige. Er war kein schlechter Mensch. Er hatte so einen Tod nicht verdient. Sobald irgendjemanden auffallen würde, dass seine Motivation der Gilde beizutreten fragwürdig war, würde man ihn töten. Dessen war sie sich sicher. Langsam entwich die Farbe aus ihrem Gesicht, während sie sich immer hilfloser fühlte. Kha griff das Gespräch mit Lorek wieder auf, während Akiko schon nicht mehr zuhörte. Mit einem gemurmelten „Entschuldigt mich“ wand sie den beiden Männern den Rücken zu und lief zurück zur Eingangstür des Hospizes. Statt einzutreten lief sie aber dann an der Hauswand entlang, bis sie sich in dem wunderschönen, von Blumen und Sträuchern übersäten Garten des Hospizes wiederfand. Im Zentrum stand ein riesengroßer, überwältigender Kirschbaum, dessen rosafarbenen Blüten an Schönheit und Anmut kaum zu übertreffen waren. Kein Wunder, das Martha so von ihm geschwärmt hatte. Von dem Anblick überwältigt, stand sie einige Moment reglos da, dann ließ sie sich auf eine der nahe stehenden Holzbänke nieder.
Die Hände in ihren Schoss gelegt versuchte sie die Gänsehaut, die sich auf ihren Armen ausbreitete zu ignorieren und dachte nach. Ihr war schon klar, dass sie Kha nicht aufhalten konnte. Demnach war ihr auch klar, dass sie schon  bald alleine weiter reisen musste. Doch wozu sollte man reisen, wenn man kein Ziel hatte…Sie senkte den Kopf. Vielleicht ..würde sie es schaffen ihre Mutter zu treffen. Immerhin hielt man Akiko für tot, was ihr unter Umständen eine gewisse Sicherheit verschaffte. Andererseits wusste sie, dass es beinahe unmöglich war sich unbemerkt der Räuberbande zu nähern…man würde sie entdecken lange, bevor sie mit ihrer Mutter sprechen könnte…wie dem auch sei. Sie musste sich dringend um eine Waffe kümmern, mit der sie besser zurecht kam. Denn im Moment war sie ziemlich verwundbar. Ihre  Waffe war für sie ungeeignet und ihr fehlte die Übung im Kampf. Die Flucht aus dem Yosei-Wald war ihr geglückt und das allein war der Grund dafür, dass sie noch am Leben war. In einem ernsthaften Kampf hätte sie keine Chance gehabt.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mo Okt 27, 2014 8:03 am

Der Fremde gewann den Kampf gegen seinen Drachen und sein Körper entspannte sich. Als er die Augen wieder aufschlug, erkannte Lorek darin lediglich eine tiefe Traurigkeit und das Aufflackern von klaren Gedanken. Kha würde nicht kopflos in sein Verderben rennen – vorerst.
Beruhigt drehte sich Lorek zu Akiko um und erkannte, dass sie über diese Antwort nicht gerade erfreut war. Ihr Gemurmel war kaum zu verstehen, als sie verstört floh. Gefasst blickte Lorek ihr nach. Hatte sie nicht auch erkannt, dass es sinnlos war, den Drachen von seiner Rache abzuhalten? Alles was man tun konnte, war Kha zum Warten zu zwingen, um seine Chancen zu erhöhen.
Ruhig drehte sich Lorek zu Kha um. „Ich glaube, mein Trank sollte inzwischen fertig sein“, sagte er ruhig. „Bitte richte ihr einen Gruss aus.“
Damit drehte er sich weg und ging davon. Er würde ihr nicht nachlaufen, schliesslich war er nur ein zufällig getroffener Unbekannter. Auch wenn er wusste, dass er unbedingt mehr über diese zwei Fremden herausfinden musste. Sicherlich interessierte es nicht nur ihn, was einen Mann aus dem Gebirge aus seiner Heimat vertrieben und seinen Hass auf die Kremso-Gilde entfacht hatte. Doch das konnte warten. Denn Lorek war sich ganz sicher, dass er die beiden Anfang nächsten Monat wiedersehen würde.

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BeitragThema: Re: Hospiz   Sa Nov 01, 2014 10:54 pm

Schweigend blickte er Akiko hinterher. War das eine Flucht? Sie war merklich blass um die Nase geworden. Ging ihr das Vorhaben des Jägers wirklich so nahe? Kha wusste ja nun das die junge Frau trotz ihrer Vergangenheit und dem damit verbundenen Hass auf Männer alles andere als gefühlskalt war. Sie beide schienen ein gutes Team geworden zu sein. Er hatte ihr trotz des nicht vollendeten Diebstahls wieder vertraut und sie hatte ihm den Angriff mit dem Dolch im Wahn verziehen. Sollte er ihr folgen und sie etwas beruhigen? Oder war es besser sie mit ihren Gedanken allein zu lassen? Alle Sorge und Angst die ihn betraf war ja nicht unbegründet...doch das würde ihn nicht von seinem Vorhaben abhalten. Der Söldner ergriff wieder das Wort und verabschiedete sich. Langsam nickte Kha auf seine Bitte hin. Als auch der junge Krieger gegangen war, blieb er noch eine Weile allein auf dem Hof zurück. Mit einem Seufzen griff Kha über die linke Schulter nach hinten und zog seinen Bô-Stab. Es war die einzige Waffe die er nun bei sich trug. Akiko bewahrte ja für ihn seinen Dolch auf. Doch mit diesem alten, verwitterten Stab würde er wohl kaum jemanden ernsthaft verletzen können. Früher war das auch nie seine Absicht gewesen. Er hatte sich absichtlich für diese Waffe entschieden, weil man sie auch für andere Dinge einsetzen konnte. Man konnte sich mit dem Stab verteidigen aber niemanden töten. Eigenschaften die ihm damals in seinem Heimatdorf wichtig gewesen waren. Und nun? Wo stand er jetzt? Mit welchen Absichten? Die Zähne zusammen gebissen, schwang er den Bô-Stab. Machte ein paar 'Trockenübungen' ,wie sie ihm sein Lehrer damals gezeigt hatte. Schläge, Schwungübungen und Drehungen. Kombiniert mit Schritten, Sprüngen und Ausholbewegungen. Er war geübt im Umgang mit dem Bô-Stab. Selbst seinen Lehrer hatte er, wenn er wirklich einmal konzentriert bei der Sache gewesen war, lange in Schach halten können. Doch das würde nicht ausreichen. Vielleicht würde es ihm im Kampf ein paar Minuten mehr seines Lebens retten...mehr nicht. Das Ende des Stabes senkrecht auf dem Boden aufgestellt, hielt er das obere Ende mit beiden Händen umschlossen und senkte den Oberkörper etwas zwischen den Armen ab. Sich so an seiner 'Waffe' festhaltend verharrte der Jäger erneut einige Minuten, dann bugsierte er den Stab wieder auf seinen Rücken und machte sich auf die Suche nach Akiko. Die Zeit würde schon wissen was kommen würde. Eines hatten Akiko und er nun gemeinsam. Sie mussten den Umgang mit einer Waffe lernen und sich verbessern.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mo Nov 10, 2014 3:54 am

Konzentriert und mit einer für ihre neun Jahre ungewöhnlichen Gewissenhaftigkeit zupfte die kleine Helen Unkraut zwischen den Heilkräutern heraus. Sie mochte den Garten und wusste schon ungemein viel über die verschiedenen Pflanzen, die hier wuchsen. Inzwischen durfte sie sogar ganz alleine jäten und Helen war sehr stolz, dass Martha ihr das zutraute. Deshalb gab sie sich auch die grösste Mühe, ja kein falsches Kraut auszuziehen.
Helen war so in ihre Arbeit vertieft, dass sie gar nicht mitbekam, wie Akiko in den Garten trat. Erst als sie mit dem Krokusbeet fertig war und zwischen den Frühlingsknollen auftauchte, bemerkte sie die Frau, die niedergeschlagen auf dem Bänkchen vor dem Kirschbaum sass. Da das Mädchen schon länger im Hospiz wohnte, war sie schon vielen Trauernden begegnet und wusste, dass es ihnen ihre Ruhe lassen musste. Schweigend machte es sich ans nächste Beet, aber während es Grashalme herauszupfte, warf es immer wieder kurze Blicke auf die Fremde. Sie sah so traurig aus und Helen wünschte sich, dass sie ihr irgendwie helfen könnte.
Als sich die Frau auch nach einer ganzen Weile nicht bewegt hatte, stand Helen abermals auf. Nachdenklich betrachtete sie die Frau, während sie mit ihren nackten Zehen in der Erde bohrte. Um ihr wirklich helfen zu können, war sie noch zu klein, aber sie kannte schon fast alle Kräuter und da musste doch eines dabei sein, das helfen konnte. Leichtfüssig huschte Helen durch die Pflanzen, so dass ihre blonden Haare hinter ihr wehten, zum Beet mit dem Sonnentau. Sorgfältig suchte sie die schönste Blüte aus und pflückte sie. Leise trat sie dann mit der Blume in der Hand auf die Wiese um den Kirschbaum und auf die Frau zu. Sanft öffnete das Mädchen eine Hand der Frau und legte die Blüte hinein, wobei es der Fremden ein scheues Lächeln schenkte. Dann drehte es sich ohne ein Wort wieder um und hüpfte zu seinem Beet zurück.

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BeitragThema: Re: Hospiz   Mi Nov 12, 2014 10:06 pm

Inzwischen stand die Sonne bereits tief am Nachmittagshimmel. Es würde nicht mehr lange dauern bis die Dämmerung begann. Vielleicht würde es Akiko trotzdem schaffen noch einmal in die Stadt zu laufen und dort ein Geschäft suchen, dass Waffen anbot. Dennoch würde es schwierig werden, da sie noch keinen blassen Schimmer hatte, für welche Waffe sie sich entscheiden sollte. Und bei ihrem mangelnden Wissen über legale Geschäfte würde man sie nur über den Tisch ziehen… da fiel ihr der Sieg bei dem Wettrennen mit Kha vor den Stadttoren wieder ein. Sie hatte einen Wunsch frei. Und nun wusste sie auch, wofür sie ihn benutzen würde. Viele andere hätten abfällig gelacht…ein freier Wunsch gewonnen durch einen Sieg in einem spielerischen Wettrennen…aber sie war sich recht sicher, dass Kha sein Wort halten und ihr einen Wunsch erfüllen würde. In seiner Heimat schien man generell etwas mehr Respekt und Ehrgefühl zu haben.
Wenn sie ihn bat ihn zu begleiten und beratend zur Seite zu stehen, würde sie bestimmt keinen schlechten Handel abschließen. Geld hatte sie noch keines verdient…sie konnte lediglich ihr Schwert eintauschen…hoffentlich würde das ausreichen.
So in Gedanken versunken merkte die junge Frau nicht, wie sich das kleine Mädchen ihr näherte. Erst die zarte Berührung ihrer Hand und die Blüte, die sie in Akikos Hände ablegte, ließen Akiko aufblicken. Da hüpfte das Mädchen schon wieder ihres Weges.
„Oh, warte bitte“, rief Akiko spontan und stand auf. Sie betrachtete noch einmal die Blüte in ihrer Hand und lächelte leicht. Das war eine nette Geste. War das ein Aufmunterungsversuch? Schnelles Schrittes folgte sie dem Mädchen, das schon wieder in einem der Beete hockte.
„Das ist eine sehr schöne Blume. Hab vielen Dank!“, sagte sie ehrlich und lächelte, während sie sich leicht nach vorne beugte um besser sehen zu können, was das kleine Mädchen dort vor ihr machte.
„Wie heißt du?“
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BeitragThema: Re: Hospiz   Fr Nov 14, 2014 11:45 pm

Helen hob den Kopf und lächelte die fremde Frau fröhlich an. „ Das ist ein Sonnentau“, antwortete sie und zeigte auf die Blüte, stolz über ihr Wissen. „Sein Duft macht fröhlich, deshalb tut Martha ihn auch oft in den Tee.“ Die Frau schaute tatsächlich etwas weniger traurig aus und Helen war glücklich, dass sie ihr helfen konnte.
„Helen“, antwortete sie auf die Frage nach ihrem Namen und entgegnete sogleich: „Und wie heisst du?“ Das Mädchen überblickte das eben gejätete Beet, erspähte noch einen Grashalm und beeilte sich, diesen auch noch auszuzupfen. Als sie mit ihrer Arbeit zufrieden war, blickte sie wieder zu der Frau auf und fragte: „Magst du Pflanzen?“

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Akiko Yoe
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mo Nov 24, 2014 11:06 pm

„Aha. Einen Sonnentau – das wusste ich nicht“, antwortete Akiko interessiert und lächelte, während sie der weiteren Erklärung des kleinen Mädchens folgte. Eine Blüte, dessen Duft fröhlich machen sollte. Nun war es doch ziemlich offensichtlich, dass sie Akiko die Blüte gab, weil diese einen traurigen Eindruck gemacht hatte. Und es stimmte. Sie konnte es kaum leugnen.
„Helen. Das ist ein schöner Name. Ich heiße Akiko. Wohnst du hier…?“, erkundigte sich die junge Frau. Die Vorstellung war ein bisschen makaber. Immerhin war sie ein Kind. Hier im Hospiz verstarben immer wieder Leute, alte wie auch junge, Männer, Frauen und manchmal wohl auch Kinder. Akiko konnte sich nur schwer vorstellen, dass man das als Kind gut verarbeiten und verkraften konnte.
Akiko ging in die Hocke, um auf Augenhöhe mit Helen zu sein, betrat aber das Beet nicht.
„Ja..ich mag Pflanzen. Ich kenne einige wild wachsende Kräuter, Beeren und Blumen. Und die Bäume in den Wäldern…“, sprach sie leise lächelnd und erinnerte sich an ihre Heimat. Obwohl es in ihrer Kindheit vielleicht ein schöneres zu Hause als das Leben unter den Räubern hätte geben können, so war die Schönheit der Natur zweifelsfrei ein Pluspunkt gewesen.
„Bist du alleine hier?...“, fragte sie vorsichtig und formulierte es bewusst so. Vielleicht hatte Helen keine Eltern mehr…
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Kha Temeh
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BeitragThema: Re: Hospiz   So Dez 07, 2014 10:00 am

Er fand sie im Garten. Sie hatten ja gesagt das sie sich diesen ansehen wollten. So hatte er nicht lange suchen müssen. Akiko kniete bei einem kleinen Mädchen nahe der Beete. Ob die Kleine auch ein Patient dieses Hospiz war? Oder ein Kind von einer der Heilerinnen? Mit langsamen, ruhigen Schritten betrat er den Garten und betrachtete einen Augenblick den großen, in voller Blüte stehenden Kirschbaum. Der Jäger ließ wieder seine Gedanken abschweifen, während seine fast schwarzen Augen den hellrosernen Blütenblättern beim Tanzen in der Luft zusahen. Er wollte Akiko in ihrer Unterhaltung mit dem Mädchen nicht stören. Zumal er nicht wusste wie er sie ansprechen sollte. Kha entschied sich das Thema der Kremso-Gilde erstmal nicht zu erwähnen. Viel wichtiger war es nun eine geeignete Waffe zu wählen. Eine Waffe... Eigentlich widerstrebte jede Faser in seinem Körper diesem Gedanken. Doch er hatte sich dafür entschieden Rache zu üben und um das zu tun brauchte er eine Waffe. Er musste töten... Jahrelang hatte er sich darauf vorbereitet. Doch was passte zu ihm? Ein Schwert? Ein Speer? Vielleicht sogar eine Axt oder ein Beidhänder? Es gab viele Waffen und jede hatte ihre Vor- und Nachteile. Vielleicht wäre er auch besser für den Fernkampf geeignet? Dann wären Pfeil und Bogen am Besten. Oder ein Blasrohr? Für diese Entscheidung würde er Hilfe brauchen. Mit einem fast lautlosen Seufzen löste er sich vom Anblick des Kirschbaumes und ließ sich auf einer der Bänke nahe von Akiko und dem Kind nieder. Sie hatten versprochen den Heilern zu helfen und Kha hielt sein Wort. Der kommende Tag würde ihnen sicher offenbaren was zu tun war. Der Jäger wollte die Zeit auf seiner Seite wissen, somit setzte er sich nicht unter Druck. Von den Kriegern die damals das Dorf überfallen hatten ahnte niemand das er überhaupt noch am Leben war.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mo Dez 22, 2014 9:19 am

Bei Akikos Worten leuchteten die Augen des Mädchens auf. „Ein lustiger Name“, gab es zur Antwort. Helen hatte noch nie jemanden getroffen, der so hiess. „Ich wohne da“, antwortete sie auf Akikos Frage und zeigte auf einen Nebenteil des Hospiz, direkt der Küche anliegend. „Da schlafen auch Martha und Jord und Larin, aber der ist jetzt krank“, fügte sie hinzu und verzog kurz das Gesicht, wie es die Erwachsenen taten, wenn sie über eine kranke Person sprachen. Doch schnell zeigte sie wieder ein fröhliches Kinderlächeln.
„Ich bin alt genug, um alleine im Garten zu arbeiten“, verkündete Helen stolz. „Ich weiss, was hier wächst und was Unkraut ist. Martha sagt, wenn ich weiter fleissig bin, werde ich eine genau so gute Kräuterfrau, wie Mama war.“ Mit leuchtenden Augen blickte sie zu Akiko auf. „Was wächst im Wald? Zeigst du ihn mir einmal? Ist es da nicht gefährlich? Jord sagt, dort leben böse Menschen.“ Neugierig wartete sie auf Antworten und vergass darüber sogar das Jäten.

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Akiko Yoe
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BeitragThema: Re: Hospiz   Do Jan 08, 2015 9:12 am

Akiko´s Blick folgte Helen zu dem kleinen, angrenzenden Nebengebäude. Das war also ihre Unterkunft. Jord und Martha kannte sie ja inzwischen, Larin hingegen war ein neuer Name. Voraussichtlich würde sie einige Tage hier verbringen. Larin würde sie bestimmt noch kennen lernen. Ebenso wie die Heilerinnen, die hier arbeiteten und für die Patienten sorgten. Wie viele mochten es wohl sein?
‚Martha sagt, wenn ich weiter fleißig bin, werde ich eine genau so gute Kräuterfrau, wie Mama war’ – wie Mama war. Es klang ganz so, als wäre ihre Mutter nicht mehr am Leben. Wie traurig. Helen war noch so klein. Es musste schwer sein, wenn man schon so früh seine Mutter verlor.
„Verstehe. Dann haben dir wohl deine Mama und Martha so viel über die Kräuter beigebracht? Du bist wirklich ein schlaues Mädchen. Ich wette, viele Kinder in deinem Alter wissen noch nicht so viel wie du!“, lobte sie Helen und schmunzelte leicht. Diese blickte sie wieder mit leuchtenden Augen an und die Fragen sprudelten aus ihren Mund nur so heraus. Ach herje, da hatte sie wohl ein Thema angeschnitten. Akiko runzelte kurz die Stirn und betrachtete das aufgeweckte Mädchen. Es war ziemlich ungewohnt so viel Lebensfreude und Neugier um sich zu haben. Diese gute Laune und die positive Energie, die Helen versprühte, schienen wohl nicht ohne Nebenwirkungen zu kommen. Sie waren ansteckend.
Akiko musste unwillkürlich kichern und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, bevor sie sich von ihrer knienden Position in eine sitzende begab. Die Beine in den Schneidersitz gelegt fragte sie: „Sind das nicht ziemlich viele Fragen auf einmal?“
Ohne eine Antwort zu erwarten sprach sie zugleich weiter.
„Was wächst im Wald? Die Frage sollte eher lauten, was wächst nicht im Wald? Dort gibt es Plfanzen, die so klein sind, dass man sie mit bloßer Hand überdecken könnte. Und andere sind soooooo groß“, dabei streckte sie ihre Arme in die Luft, „dass man sich mühelos darunter verstecken kann. Manche Sträucher haben spitze Dornen und zugleich herrliche Blüten, die in den unterschiedlichsten Farben erstrahlen. Einige haben runde Blätter, andere sind eher schmal. Manche sind so hauchdünn, dass man Angst hat sie zu berühren. Und andere sind so stark und kräftig, dass kein Wirbelsturm sie beschädigen könnte. Jede Baumrinde hat eine andere Farbe. Bei einem ist sie glatt und schön, eine andere ist rauh und kratzig.
Jedes noch so kleine Bäumchen wächst dort im Laufe der Jahre zu einem mächtigen, starken und schönem Baum heran. Manche sind so riesig, dass man glaubt, an ihren Baumkronen befindet sich das Himmelstor. Doch nicht nur die Blumen, Kräuter und Sträucher sind dort zu Hause. Auch unzählige Tiere, die in ihrem Aussehen und in ihrer Bewegung unterschiedlicher nicht sein könnten, wohnen dort. Rehe und Hirsche, Füchse, Marderhunde, Wiesel, Raubvögel und Eichhörnchen und Wildschweine sind nur ein paar wenige Waldbewohner. Oh, falls du einmal einem Wildschwein begegnest – die solltest du nicht ärgern!“, sprach sie mahnend mit erhobenem Zeigefinger, lächelte jedoch nur Sekunden später wieder und schloss die Augen.
„Und dann…“, sprach sie langsam um die Spannung ein wenig zu steigern. „….Dann wären da natürlich noch die Waldgeister!“ Sie schlug ihre Augen auf und suchte Helens Blick.
„Sie leben im Wasser. In der Erde…“ Während sie die Worte geheimnisvoll hauchte, griff sie nach der Erde in dem Beet, nahm mit ihrer anderen Hand Helens Hand und öffnete diese sanft. Dann ließ sie die Erde durch ihre Hand in die Hand des Mädchens rieseln.
„In der Luft“, ergänzte sie, als das letzte Krümel ihre eigene Hand verlassen hatte.
„Wer gut zuhört und reinen Herzens ist, der kann sie manchmal hören und ihre Botschaften erhalten“, flüsterte sie. Sie war sich sicher, dass diese Worte Begeisterung in der kleinen Helen auslösen würden.
„Ich glaube, dass du noch zu klein bist, um in den Wald zu gehen. Aber schon in wenigen Jahren wirst du bestimmt soweit sein…gewiss, Jord hat nicht ganz Unrecht…tief in den Wäldern, fernab der Städte und Dörfer, verborgen im dunklen Dickicht…ja, dort leben manche Menschen mit dunklen, traurigen und bösen Seelen. Aber du brauchst keine Angst haben. Das Gute siegt stets über das Böse. Und du bist doch ein gutes Mädchen“, sagte sie liebevoll und sanft. Sicherlich waren Helen solche Geschichten bekannt. So hatte doch sicher jedes Kind schon mal ein Märchen über eine gute Prinzessin, eine böse Hexe, einem tapferen Prinzen oder eines geheimnisvollen Fabelwesens gelesen. In all den Geschichten siegte am Ende das Gute über das Böse. Zumindest in jenen Erzählungen, die Akiko gelesen hatte.
Abwartend blickte sie nun Helen an.
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BeitragThema: Re: Hospiz   So Jan 11, 2015 1:41 am

Mit leuchtenden Augen hörte Helen der Fremden zu. Es klang so aufgeregt, was sie erzählte. Die Heilerinnen hatten momentan keine Zeit, sich mit ihr zu beschäftigen oder ihr Geschichten zu erzählen. Und seit Lorin krank war, hatte sie auch niemanden mehr zum Spielen, zumal Jord und Martha sie nicht in der Stadt herumlaufen liessen. Von Waldgeistern hatte sie noch nie gehört, aber Helen war fasziniert. Wie die wohl aussahen?
„Können wir die Waldgeister suchen gehen? Bitte?“, fragte Helen aufgeregt. „Ich werde auch gar nicht weit gehen. Ich will nur einmal die Bäume von nahem sehen. Ich werde auch ganz brav sein“, quengelte sie. „Und ich bin auch nicht mehr so klein. BITTE!“ Mit flehendem Blick blickte sie zu der Frau auf und hüpfte dabei aufgeregt von einem Bein aufs andere.

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Kha Temeh
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BeitragThema: Re: Hospiz   So Jan 11, 2015 9:50 am

Den Worten von Akiko genau so gelauscht wie das kleine Mädchen, beugte sich Kha dabei etwas vor und stützte die Ellbogen auf seinen Knien ab. Sie war wirklich gut darin. Wie sie alles beschrieb und die Neugierde in dem Kind schürte. Er konnte ihre Augen glänzen sehen. Und dabei waren es noch nicht einmal Märchen die sie der Kleinen auftischte. Der Wald war wirklich atemberaubend. Über zwei Jahrzehnte lang hatte der Jäger nur die Wälder gekannt die die Berge des Yama-Gebirges bewuchsen. Die Vegetation die er weiter unten im Tal vorgefunden hatte war völlig anders und um einiges vielfältiger. Doch auch er hätte so einige Geschichten erzählen können, über seine Heimat. So eisig, karg und leblos die Gebirge auch wirken mögen, auch sie beherbergten viele Mythen und Erzählungen. Vieles von dem was erzählt wurde war wahr. Vieles lag schon Jahrhunderte zurück. Anderes war ein wenig verändert worden. Doch als Kinder hatten sie immer gerne zugehört wenn abends am Lagerfeuer erzählt wurde. Das junge Mädchen aber würde sicher gar nicht glauben können was die Geschichten besagten. Wer das Gebirge nicht kannte, für den mussten die Mythen und Märchen um so seltsamer sein.
Akiko erzählte grade von den Waldgeistern. Ein seichtes Schmunzeln auf den Lippen hatte er den Blick ruhig auf die zwei gerichtet. 'Das Gute siegt stets über das Böse' ,hallte es in seinem Kopf wieder und das Schmunzeln verschwand. Eine kindlich naive Aussage, das hatte er am eigenen Leib erfahren. Ob Akiko noch daran glaubte? Vermutlich nicht, denn auch ihr waren schlimme Dinge widerfahren. Aber Kha konnte verstehen das sie dem Mädchen davon erzählte. Es gab nichts reineres und schöneres auf dieser Welt als das Glück und die Freude eines Kindes.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mo Jan 12, 2015 1:10 am

Akiko musste breit schmunzeln, als sie das kleine Mädchen so aufgeregt vor sich hüpfend sah. Welch friedlicher Anblick. Als sie selber noch ein kleines Mädchen war, gab es nur eine, die sie in solche Gefühlszustände versetzen konnte. Das war ihre Mutter. Sie hatte ihr oft Geschichten erzählt.  So lange, bis Akiko selber lesen konnte. Dann liebte sie es in den Büchern zu stöbern und die fremden Geschichten kennen zu lernen.
Natürlich konnte sie Helen nicht mit in den Wald nehmen. Selbst wenn es nur der Waldrand war, so wäre es bestimmt keine gute Idee gewesen. Und auch ihre eigene Angst hinderte sie daran. Sie hoffte, dass man sie für tot hielt. Doch Hoffnung und Realität waren nicht immer eins.  Man würde ihren Leichnam nicht finden können…und falls Ryo einen Beweis wollte, so würden die Räuber womöglich noch weiter nach ihr suchen. Ganz gleich wie sie es drehte. Der Wald war fürs erste tabu. Für sie und für Helen auch.

Doch ihr war klar, dass sie mit einer ehrlichen Antwort das Mädchen nur enttäuschen würde. Sie musste sich etwas überlegen, mit dem sich Helen zufrieden gab. Kurz dachte sie nach, dann winkte sie Helen mit ihrer Hand näher zu sich heran. So, wie wenn man jemandem ein Geheimnis anvertrauen wollte. Sie war so mit Helen beschäftigt, dass sie Kha noch nicht einmal bemerkt hatte, obwohl er unweit von ihnen saß.

„…Nun….du kannst die Waldgeister nicht finden. Eine Suche wäre zwecklos. Waldgeister sind ganz besondere Wesen. Keiner kann sie finden, von dem sie nicht gesehen werden wollen. Darum musst du sie nicht suchen….sondern dich von ihnen finden lassen. Verstehst du?“, sprach sie lächelnd und fuhr dann fort.  
„Wenn du dich nicht von Lügen und Habgier verführen lässt und vom nicht rechten Weg abkommst, sondern stets ein reines und ehrliches Herz behältst, dann werden dich die Waldgeister eines Tages finden. Vielleicht dauert es gar nicht mehr lang!?“, erklärte sie geheimnisvoll, während ein leichter Wind durch den Garten wehte und die Blumen zum tanzen brachte.
„Und noch eins. Erinnerst du dich, was ich gesagt habe? Die Geister leben im Wasser. In der Erde. Und in der Luft. Wenngleich die meisten Geister in den Wäldern wohnen, so gibt es sie auch über diese Grenzen hinaus….auch hier, in Tinae, gibt es Erde und Wasser. Und natürlich Luft. Im Moment sitzen wir auf dem Erdboden. Wer weiß - vielleicht sitzt ein Geist schon neben uns und hört uns zu?“, fragte sie und hob unwissend die Hände etwas an.
Sie musste zugeben, dass es ihr gefiel mit dem kleinen Mädchen zu sprechen. Ihre grenzenlose Neugier und ihre Euphorie waren erfrischende und belebende Charakterzüge, die den meisten Erwachsenen abhanden gekommen waren. Dort blieb wenig Raum für Fantasie. Und doch fühlte sie sich in dieser Gegenwart viel wohler als in der manchmal harten, grausamen und ungerechten Realität. Und auch wenn sie wusste, dass sie nicht ewig in diesen Tagträumen bleiben konnte, so hoffte sie doch, dass ihr diese Pause gegönnt sei.
Etwas zögerlich schloss sie ihre Augen und gestattete sich einen Moment zu träumen. Der Wind verstärkte sich und zog durch den herrlichen Garten des Hospizes hindurch. Energisch und sanft zugleich strich er Akikos Gesicht. Es klang beinahe wie ein Flüstern, welches sie an ihren Ohren hören konnte. Doch welche Botschaft der Wind trug war nur schwer zu erraten. Ihr Körper entspannte sich sichtlich, während ihr Gehör ganz dem Wind galt.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mi Jan 14, 2015 1:32 am

Helen zog eine kleine Schnute, als sie Akikos Antwort hörte. „Wenn sie ein gutes und reines Leben führte“ – das klang wie die fromme Cecilia. Die lebte sicher schon hundert Jahre so und hatte noch nie Waldgeister gesehen. Sie war doch bereits brav und tat, was ihr die Heilerinnen sagten.
Bei Akikos nächsten Worten erhellte sich ihr Gesicht jedoch wieder. Hier im Garten gab es auch Geister? Aufgeregt schaute sie sich um. In diesem Augenblick strich ein Windzug durch den Garten und Helen horchte auf. Sie beobachtete, wie sich die Blumen sachte bogen und hörte das Rascheln der Blättern. Unwillkürlich kam ihr eine Erinnerung auf – oder eher die Erinnerung an eine Erinnerung. Irgendjemand hatte ihr mal etwas ähnliches gesagt.
Den Kopf in den Nacken gelegt lief sie auf die Wiese vor dem Kirschbaum und streckte dort die Arme weit aus, um so viel wie möglich vom Wind zu spüren, der mit ihren Haaren und ihrem Rock spielte. Es kam ihr tatsächlich so vor, als würden die Blätter im Wind sprechen, nur dass sie es nicht verstand.
Sie begann eine Melodie zu summen, die ihre Mutter ihr vorgesungen hatte, als sie noch ganz klein war. „Lausche mit dem Herz, dann wirst du verstehn‘“ – die meisten Worte kannte sie nicht mehr, aber das spielte keine Rolle. Wo sie keine Worte fand, summte sie die Töne, dazwischen erklang ihre glockenhelle Stimme.
Staunend blickte sie ins Blätterdach des Kirschbaumes und vor ihren Augen zeichneten sich allmählich durchsichtige Gestalten ab, ohne dass Helen sie deutlich erkennen konnte. Doch in diesem Moment wusste sie, dass Akiko Recht hatte.
Strahlend drehte sie sich zu der Frau um. „Da sind tatsächlich Geister“, rief sie und zeigte auf die Baumkrone. Ungestüm rannte sie auf den Baum zu und sprang hoch, so dass sie gerade den untersten Ast erwischte. Geübt zog sie sich hoch, balancierte auf dem Ast und kletterte weiter.

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Kha Temeh
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BeitragThema: Re: Hospiz   Fr Jan 16, 2015 9:28 am

Beide schienen in ihrer Fantasie zu schwelgen nachdem Akiko ihre Erzählung beendet hatte. Sie schloss die Augen und Kha konnte den zufriedenen, träumerischen Ausdruck auf ihrem Gesicht erkennen. Die junge Frau schien wirklich ein sehr friedliebendes Wesen zu besitzen. Kaum zu glauben nachdem sie ihn bei ihrer ersten Begegnung bestohlen hatte. Sie hatte sich verstellt, gelogen und sich davon geschlichen. Alles Dinge die er ihr nun weniger bis gar nicht mehr zutrauen würde.
Das Mädchen lief auf den Kirschbaum zu und blieb mit ausgebreiteten Armen stehen um dem Wind zu lauschen und so den Geistern näher zu kommen. Der Jäger setzte sich wieder aufrecht hin und sah leicht irritiert zwischen der Weißhaarigen und dem Kind hin und her. Er schien diese Fähigkeit des Träumens und Fantasierens verloren zu haben. Er nahm eher die verschiedenen Gerüche war, aus welcher Richtung der Wind kam und ob auf der nächstgelegenen Straße ein Karren vorbei rollte. Erst das leise Summen und Singen des Kindes ließ ihn seinen Blick auf sie richten. Kurz darauf sah sie auch schon in die Baumkrone und glaubte dort die besagten Geister zu erkennen. Es Akiko verkündet zögerte das Mädchen nicht den Baum zu erklimmen. An der Art wie sie sich festhielt und hochzog erkannte der Schwarzhaarige das sie nicht zum ersten Mal kletterte. Somit blieb er weiterhin auf der Bank sitzen. Die Kleine war von ihren Fähigkeiten überzeugt und würde nicht fallen, wenn man sie nicht verunsicherte. Zur Not waren sie ja beide in der Nähe um ihr zu helfen, wenn sie doch über das Ziel hinaus schoss.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mi Jan 28, 2015 1:24 am

Zunächst sprach der Wind nur allein, doch es dauerte nicht lange, bis sich eine zweite, klarere Stimme dazu gesellte. Die Augen noch geschlossen war es Akiko natürlich schnell klar, dass die Stimme Helen gehörte. Das Lied, teils gesungen, teils gesummt, klang sehr ruhig und träumerisch. Im Gegensatz zu Helens Ruf, der nur wenige Augenblicke später folgte.
Erschrocken schlug die junge Frau schnell ihre Augen auf, doch das Mädchen war nicht mehr bei ihr. Sie löste ihren Schneidersitz, sprang schnell auf und erblickte Helen an dem alten Kirschbaum, auf dem sie bereits nach oben kletterte. Sie war schnell. Offensichtlich übte sie das erklimmen des Baumes öfters mal.
Während sie schnell die wenigen Meter zu dem Stamm rannte, rief sie aufgeregt.

„Was, wirklich?! Du siehst Geister?!“ Voller Euphorie verließen die Worte ihre Lippen, so als wäre sie beinahe selber noch ein kleines Mädchen. Erst starrte sie Helen hinterher, die schon ein gutes Stück voran geklettert war. Wollte sie ganz hinauf bis in die Baumkrone? Aufgeregt suchte Akiko nun selbst das Blätterdach mit ihren Augen ab. Doch abgesehen von den tanzenden Blättern konnte sie nichts Magisches erkennen. War es verwunderlich? Eigentlich nicht. Sie selbst hatte nahezu ihr ganzes Leben abseits des „rechten Weges“ gelebt, weshalb sie sicher nie einen Waldgeist erblicken würde – falls es solche Fabelwesen vielleicht doch tatsächlich geben sollte….in ihrem Blickwinkel entdeckte sie eine Silhouette. Und die gehörte Kha. Etwas verdutzt blickte sie nun zu ihm hinüber. Irgendwie fühlte sie sich ertappt. Etwas beschämt wand sie schließlich ihren Blick wieder ab. Hatte er sie und Helen schon länger beobachtet? Das war ihr irgendwie gar nicht recht. Bei Kindern war das etwas anderes, aber unter Erwachsenen wollte sie sich verständlicherweise nicht mit diesem kindlichen und naiven Verhalten blamieren.
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