Amanohara


 
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Zeit
Wetter und Zeit

Es ist Morgen, 7.00 Uhr

Nach einer klaren Nacht ziehen nun von Osten her Wolken auf. Über dem nördlichen Meer braut sich eine Front zusammen, die auch bereits von der Küste aus zu sehen ist. Es herrscht ein feuchter Ostwind.
In Tinae geht etwas verspätet die Sonne auf, noch wird der Himmel lediglich von einzelnen Schäfchenwolken bedeckt.
In der Höhe liegt Raureif bei spätwinterlichen Temperaturen, auf tieferen Ebenen ist es trocken und etwas wärmer bei leichtem Südostwind.
Im Südenwesten ist es vorläufig noch klar und es ist ein schöner Sonnenaufgang zu geniessen.
Was gerade los ist
Ereignisse & Plots

Ereignisse:
Die Gildenkämpfe haben sich gelegt, doch die unmittelbaren Folgen sind deutlich sichtbar: verbarrikadierte, beschädigte oder sogar abgebrannte Häuser und unzählige Verletzte. Die Säle der Heilergilde sind zum Bersten voll und es fehlt an fast allem: Material, Platz und Helfer. Jede helfende Hand ist sofort willkommen.
Die Aufräumarbeiten sind schneller angelaufen, aber auch hier könnten zusätzliche Arbeitskräfte gebraucht werden.
Zudem wollen manche Gilden ihre Position verstärken und sind nun auf der Suche nach neuen Mitgliedern.

Plots:
- Eine Elfe in Amanohara?
- Wir waren es nicht!
- Mirars Vermächtnis
- Rekruten gesucht
- Gelehrte verschollen

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 Hospiz

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NSC
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BeitragThema: Hospiz   Mi Jan 15, 2014 11:45 am

Das Hospiz in Tinae ist ein einfacher zweistöckiger, langgezogener Holzbau, etwas abgelegen vom Zentrum gegen die Stadtmauern gelegen.
Von aussen wirkt er sauber, jedoch nicht besonders auffällig. Durch eine schmucklose Türe gelangt man in einen kleinen Vorraum, aus dem zwei Türen weiterführen. Zur Rechten gelangt man über eine Treppe ins Obergeschoss, wo sich die Schlafsäle der Heiler und Heilerinnen, sowie ihre Arbeitszimmer befinden. Eine Leiter führt weiter ins Dachgeschoss, wo diverse Kräuter zum Trocknen aufgehängt sind und gelagert werden.
Geht man im Eingangsraum jedoch geradeaus, gelangt man sogleich in einen einzelnen grossen Raum, der wohl fast das gesamte Erdgeschoss einnimmt, durch Pfeiler und Stellwände sowie Vorhänge unterteilt ist und diverse Lagerstätten beinhaltet. Dies ist der Saal für Patienten, die eine vollständige Betreuung benötigen rund um die Uhr.
Gleich links angrenzend an den Raum befindet sich eine grosse Küche, in der nebst Essen auch Heiltränke und ähnliches gebraut wird.
An der rechten Längsseite der Patientenhalle öffnen sich grosse Fenster gegen einen überdachten Kreuzgang, der einen langgezogenen Innenhof umschliesst. Im Hof ist ein grosser Kräutergarten angelegt und in der Mitte pragt das Herzstück: ein riesiger Kirschbaum. Dies und der Kreuzgang erinnert noch daran, dass die Heilergilde von Nasaras Priesterinnen gegründet worden war. In einer Nische des Kreuzganges ist auch eine kleine Statue der Göttin eingelassen, vor der Patienten, Angehörige oder auch Heilerinnen für Genesung beten.

(Da es gerade Frühling ist, steht der Kirschbaum in voller Blüte.)

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BeitragThema: Re: Hospiz   Di Jan 28, 2014 2:50 am

cf: Hauptstrasse Kirena

Ohne anzuklopfen öffnete Tanja die Türe des Hospiz und trat ein. Statt sie ihren Begleitern aufzuhalten, liess sie sie einfach offenstehen und rauschte gleich durch den Vorraum weiter in den Krankensaal. Wie immer lag ein strenger Geruch nach desinfizierendem Alkohol, Blut und Schweiss sowie ein leicht würziger Duft der Salben und Kräuter in der Luft. Am Eingang blieb Tanja kurz stehen und liess ihren Blick über die sichtbaren Betten und Stellwände gleiten, bevor sie sich zu ihren Helfern umdrehte und sie hinein winkte.
„Dies ist der Krankensaal“, erklärte sie, während sie die beiden durch die schmalen verwinkelten Gänge zwischen den Stellwänden hindurch führte. „Viel zu tun, wie ihr seht.“ Sie wich einem entgegenkommenden Heiler aus, wobei sie schwach taumelte. Der Mann – selber nicht mehr allzu frisch und mit seinen Gedanken irgendwo anders – reagierte jedoch nicht darauf.
Schliesslich erreichten sie durch das Gewirr eine weitere offene Türe, durch die Tanja ihre Begleiter in die Küche führte.
„Hallo Jord, Martha“, begrüsste Tanja die beiden Köche. „Hier kommen die neuen Vorräte.“
Der Mann legte das Messer zur Seite, wischte seine Hände an der Schürze ab und trat auf sie zu. „Sehr schön, wurde auch wieder Zeit“, brummte er. „Hier herüber, bitte.“ Er winkte Kha und Akiko zu sich, nahm ihnen die Last ab und begann sie sogleich in die Regale einzuräumen.
Die Frau rührte noch einmal in ihrem Topf, legte dann den Deckel auf und drehte sich gerade noch rechtzeitig um, bevor die Heilerin wieder durch die Türe davon geeilt war. „Tanja!“, rief sie diese zurück. „Warte.“
Rasch nahm sie einen Schöpflöffel zur Hand und füllte aus dem anderen Topf Eintopf in ein Schüsselchen, das sie der Heilerin in die Hände drückte. „Du musst etwas essen“, befahl sie und musterte Tanja kritisch. „Und wie lange ist es her, seit du das letzte Mal geschlafen hast?“
Die Heilerin wich dem Blick der Köchin aus. „Es gibt noch so viele, die versorgt werden müssen“, erwiderte sie.
„Ich bin zwar keine Heilerin, aber ich erkenne sehr wohl, wenn jemand kurz vor dem Zusammenbruch steht“, sprach sie eindringlich. „Geh schlafen!“
Tanja schnappte sich einen Löffel und entfloh dem wachen Blick der Köchin. Diese sah ihr hinterher, dann drehte sie sich seufzend um und blickte zu Jord hinüber. Die beiden tauschten einen wissenden Blick. Dann widmete sich Martha wieder ihrem Kräutersud und Jord wandte sich an Akiko und Kha: „Vielen Dank für eure Hilfe, keine Ahnung, wie Tanja das alles alleine hierher schaffen wollte.“ Er stellte die letzten Äpfel an ihren Platz und trat auf den Herd zu.
„Leider ist unser Küchenbursche erkrankt, hoffentlich nicht auch noch an dieser Seuche, und die anderen Heiler sind ausserordentlich beschäftigt“, erklärte er. „Nicht lange, und sie werden reihenweise vor Erschöpfung umfallen. Hunger?“, erkundigte er sich bei den beiden und hob den Deckel vom Essen-Topf. „Die Heiler haben bereits zu Abend gegessen und von den Patienten mag wahrscheinlich sowieso niemand etwas. Es ist also noch genug da.“
"Und setzt euch bitte, wenn ihr mögt", fügte Martha hinzu und lächelte sie über den dampfenden Topf an.

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Akiko Yoe
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BeitragThema: Re: Hospiz   Di Jan 28, 2014 4:00 am

cf: Hauptstrasse Kirena



Schnell und ohne langes Zögern von Kha war die Entscheidung gefallen, dass Angebot der jungen Frau namens Tanja anzunehmen und sie ins Hospiz zu begleiten. Mit den Einkaufstaschen bepackt folgte Kha Tanja und Akiko tat es ihm gleich. Obwohl sie ein paar gemischte Gefühle mit sich trug befahl sie sich dieser neuen Erfahrung zu öffnen. Denn genau das wollte sie doch immer, nicht wahr? Sie wollte lernen, wie die unterschiedlichen Menschen miteinander lebten, wollte erleben, was sie in Büchern gelesen hatte.

Tanja war sehr flott unterwegs. Erleichtert um das Gewicht ihrer Einkäufe flog sie beinahe über die Pflastersteine. Akiko war unersichtlich, weshalb diese junge Frau dermaßen gehetzt war. Ihr blieb keine Zeit Nachforschungen anzustellen. Stattdessen hatte sie fast Mühe mit dem Tempo mitzuhalten. Schritt um Schritt ließen sie das Zentrum von Tinae hinter sich und näherten sich dem Hospiz. Der schlechte Weg dorthin stellte für die junge Diebin kein Hindernis dar. Schließlich gab es in den Wäldern um einiges mehr an Stolperfallen als hier und dort hatte sie ihr bisheriges Leben verbracht.

Als den dreien schließlich ein länglicher Holzbau nahe der Stadtmauern erschien, spazierte Tanja sogleich hinein. Akiko jedoch zögerte und warf kurz einen Blick auf das Gebäude. Es sah gepflegt aus, doch der beißende, zum Teil mufflige Geruch schreckte sie zugegebenermaßen etwas ab. Ihr war klar, dass sich im Innern viele kranke Menschen aufhalten mussten. Krank ohne Aussicht auf Heilung. Die Vermutung lag nahe, dass sich die Patienten in einem schrecklichen Zustand befanden und auch dementsprechend aussahen. Wollte Akiko das wirklich sehen? Würden sie die Anblicke, ganz gleich welcher Art sie sein würden, ertragen? Sie schluckte, doch entschied sich einzutreten, bevor Tanja völlig außer Sichtweite war.

Tanja winkte Kha und sie in den Krankensaal hinein. Soweit Akiko es sehen konnte, war jedes der Betten belegt. Es waren Männer und Frauen, verschiedensten Alters. Sie erblickte sogar einen kleinen Jungen, vielleicht um die 10 Jahre alt. Der Gedanke daran, dass dieses Kind hier inmitten dieser 4 Wände sterben würde, versetzte ihr einen heftigen Stich im Herzen. Wie furchtbar.
Auch wenn es feige war, so zwang Akiko ihren Blick nach unten auf den Boden. Sie konnte einfach nicht sofort in die Gesichter der Patienten blicken. Tanja hingegen war unbeschwert und hippelig wie bei ihrem Auftauchen. Konnte man sich tatsächlich an „das“ gewöhnen? Oder war es eher ein Verdrängen?

Der Geruch von frischen Kräutern in der Luft holte Akiko wieder ins hier und jetzt zurück. Sie waren in einer großen, geräumigen Küche angekommen. Inmitten stand ein großer, kräftiger Mann mit einem Schnauzbart und eine bildhübsche Frau mittleren Alters, die ihr braunes Haar zu einem Zopf zusammengebunden hatte. Tanja nannte sie Jord und Martha.

Mit einer eindringlichen Warnung von Martha und einer Essensration verließ Tanja die Küche. Sollte Tanja ihre Erschöpfung über ihr aufgedrehtes Verhalten geäußert haben? Merkwürdig, aber schien wohl so zu sein.
Recht offenherzig begann Jord über den erkrankten Küchenburschen und die anstrengenden Umstände zu sprechen. Sie schienen wirklich Hilfe zu benötigen.

Es roch verlockend in der Küche und Akiko grummelte der Magen. Und das sogar laut! Erschrocken blickte sie zu diesem und wurde ein wenig rot um die Nasenspitze. Demnach musste sie die Frage mit dem Hunger wohl nicht mehr beantworten, das hatte ihr Bauch bereits für sie übernommen. Verlegen fuhr sie sich mit ihrer Hand durchs Haar.
„Ähm…es macht wirklich keine Umstände?“, vergewisserte sie sich und setzte sich auf den Holzstuhl, der an einem mittelgroßen Esstisch stand. Es war Platz für 6 Personen. Das Sitzen beruhige sie tatsächlich ein klein wenig.
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Kha Temeh
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BeitragThema: Re: Hospiz   So Feb 02, 2014 9:06 am

cf: Hauptstraße Kirena

Ihr Mund schien nicht still zu stehen. Fragen, Erzählungen, Vermutungen. Kha wollte gar nicht daran denken wie seine Reise verlaufen wäre, wenn er eine Person wie diese Heilerin ständig an seiner Seite gehabt hätte. Der Jäger konzentrierte sich lieber auf das tragen der Taschen und darauf die davoneilende, junge Frau nicht zu verlieren. Hin und wieder sah er zu Akiko hinüber und versuchte ihren Blick zu deuten.
Der Weg wurde unebener und ihre Führerin schneller. Nun rannte sie schon fast und stoppte erst ein wenig, als sie das große, zweistöckige Gebäude erreicht hatten. Es war fast gänzlich aus Holz errichtet worden und erstreckte sich ein gutes Stück an der Stadtmauer entlang. Die junge Frau trat ohne zu klopfen ein und ließ die Tür weit offen stehen. Kha blieb stehen, als er das Zögern von Akiko bemerkte. Er selbst war die teilweise beißenden Gerüche und herben Kräuter gewöhnt. Seine Mutter war eine Heilerin gewesen. Für ihn wirkten kranke Menschen nicht sonderlich bedrückend. Jeder musste irgendwann gehen. Lange Todeskämpfe hatte es bei ihnen im Dorf so gut wie nie gegeben. Entweder kam der Tod überraschend oder lang erwartet, wenn nicht sogar herbeigesehnt. Man lebte mit ihm, so wie er einen eines Tages mitnahm. Erst als das Dorf überfallen wurde, hatte Kha den Schrecken des Todes kennengelernt. Doch das war mit einem Hospiz wie diesem nicht zu vergleichen.
Erst als die junge Diebin vor ihm die Tür passiert hatte, folgte er und schob diese mit dem Fuß hinter sich wieder zu. Durch die schmalen Holzrahmen musste er mit dem Stab auf den Schultern seitlich gehen um nirgendwo an zu stoßen. Als sie den Krankensaal betraten, nahm er seine Last dann lieber ab und hielt sie längs in einer Hand. Die Stellwände und Betten standen zu eng, als dass er den Stab weiter auf den Schultern hätte tragen können.
Die Nase etwas gehoben, versuchte er die Gerüche ein zu ordnen. Er kannte einige von ihnen. Grade die Kräuter weckten Erinnerungen. Und doch waren auch viele der Tinkturen und Salben die er riechen konnte für ihn völlig fremd.
Sein Blick ging eher flüchtig über die Patienten hinweg. Schweigend wich er dem entgegenkommenden Heiler aus, der die junge Frau ins Schwanken gebracht hatte. Sie schien wirklich stark übermüdet zu sein. Aber auch der Mann war der Welt entrückt. Sein Blick war zwar nicht leer und verfolgte vertieft ein bestimmtes Ziel, doch seine nähere Umgebung schien er gar nicht wahr zu nehmen. Kurz stoppte der Jäger und sah dem Mann nach, ehe er sich wieder der Heilerin anschloss und einen weiteren Raum betrat.
Die Küche war heiß und stickig. Trotz der offenen Fenster schien die Luft zu stehen. Aber vielleicht kam es auch nur dem Mann aus dem Gebirge so warm vor. Ein Mann und eine Frau sahen zu ihnen und wurden von der jungen Heilerin begrüßt. Nun erfuhren sie auch endlich den Namen der jungen Frau. Martha, wie die Köchin genannt wurde, rief das Mädchen zurück und gab ihr eine Ration vom Eintopf mit auf den Weg. Tanja war es also gewesen, die sie hierher geführt hatte. Kha ging an Akiko vorbei auf den Mann mit dem Schnurrbart zu, der die Vorräte entgegen nehmen wollte. Den Stab mit den Taschen auf dem Tisch abgelegt, konnte dieser sie ausräumen und die Lebensmittel verstauen. Der Jäger nahm den Stab wieder an sich und schob ihn zurück in die Halterung an seinem Gürtel auf dem Rücken.
Martha sprach eindringlich auf Tanja ein, das sie sich schlafen legen sollte. Das war wohl auch das beste was die junge Frau nun tun konnte. Sie schien wirklich einem Zusammenbruch nahe. Das Aufbäumen ihres Körpers würde nicht mehr lange anhalten. Jord, der Koch mit der brummenden Stimme und dem Schnauzer tauschte vielsagende Blicke mit Martha bevor er sich an Akiko und ihn wand. Er bedankte sich für die Hilfe und erklärte auch warum die Heilerin die Vorräte allein hatte transportieren wollen. Eine Seuche schien die Menschen in der Stadt dahin zu raffen und auch die Küchenhilfe war erkrankt. Von Seuchen hatte Kha bisher nur von den reisenden Händlern was gehört. Ganze Dörfer sollen solchen Krankheiten zum Opfer gefallen sein. Abwesend blieb der Schwarzhaarige stehen und sah durch die offene Tür zurück zum Krankensaal. Die Frage des Koches, die nur aus einem Wort bestand, überhörte er und lauschte den Geräuschen außerhalb des Raumes. Erst das Knurren von Akikos Magen holte ihn aus seinen Gedanken. Einen Moment blieb der Jäger noch mitten im Raum stehen und sah von Akiko zu Martha, die freundlich lächelte und ihnen anbot sich zu setzen. Mit einem knappen "Danke" ließ sich auch Kha auf einem Stuhl neben Akiko nieder. Hunger verspürte er noch keinen. Sein Körper war es noch immer nicht gewohnt regelmäßig etwas zu sich zu nehmen. Doch er würde das Angebot sicher nicht ausschlagen, da er nicht wusste wann er das nächste mal etwas bekommen würde. "Seit wann ist diese Seuche ausgebrochen?" ,fragte er nun direkt und sah zu den beiden Köchen hinüber.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Do Feb 06, 2014 2:21 am

Martha lächelte die junge Frau freundlich an, die sich zögerlich setzte. „Aber sicher nicht“, beruhigte sie sie, während Jord der anscheinend sehr hungrigen Dame ein Schüsselchen mit Gemüse-Hirsebrei reichte. Sie wirkte nicht von hier, ebenso wenig wie ihr Begleiter, aber im Hospiz gingen so viele verschiedenen Leute ein und aus, dass die beiden Köche schon lange keine Fragen mehr stellten. Wer hier war  - ob krank oder als Hilfe – wurde von ihnen verpflegt.
Der fremde Mann setzte sich schliesslich auf einen Stuhl neben seine Begleiterin. Er schien nicht unsicher wie sie, aber eher wortkarg zu sein. Doch auch das war für sie kein Problem. Wer nicht über sich reden wollte, musste das bei ihnen nicht.
„Die Weissfäule?“, erkundigte sich Jord auf Khas Frage nachdenklich und blickte zu Martha hinüber. „Wann hat das angefangen?“
Die Frau seufzte. „Sicherlich schon vor diesen dämlichen Gildenkämpfen. Die ersten Kranken sind hier doch vor etwa drei Monaten aufgetaucht, aber im Norden soll es schon früher begonnen haben.“
„Ja, zu Beginn des Winters, wenn ich mich richtig erinnere“, nickte Jord und wandte sich dann wieder an die Fremden. „Anfangs hofften die Heiler, dass die Seuche bei Frühlingsanbruch wieder verschwinden würde, so wie es viele Krankheiten tun. Doch nun ist der letzte Schnee schon vor mehr als einem Monat geschmolzen und noch immer kommen täglich neue Kranke hier an.“
„Und viele davon gehen nie wieder hinaus“, fügte Martha traurig hinzu. „Wir sind uns zwar einiges gewohnt, aber so viele Tote bedrücken dennoch. Normalerweise ist es hier nämlich gar nicht so schlimm“, fügte sie schnell hinzu, als ihr der gequälte Gesichtsausdruck der jungen Frau auffiel. „Unsere Heilerinnnen sind sehr gut, den meisten Patienten können sie helfen. Und auch wenn momentan der Saal zum Bersten voll ist, all die Streithähne, die sich gegenseitig die Schädel eingeschlagen haben, werden wohl bald wieder genug fit sein, um weiterprügeln zu können.“

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Akiko Yoe
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mo Feb 10, 2014 6:46 am

„Dankeschön“, entgegnete Akiko, während sie die Schüssel mit dem Gemüse-Hirsebrei entgegen nahm. Kha hatte sich inzwischen  zu ihr gesetzt und bekam nun auch seine Portion ab.
„Gildenkämpfe?“, erkundige sich Akiko ahnungslos. „Was ist denn eine Gilde?“, fragte sie gleich im Anschluss und hoffte, dass diese Frage kein Gelächter in den Raum werfen würde. Sie hatte keine Ahnung, wie gängig diese Bezeichnung hier war oder nicht.  Die junge Frau lauschte den Worten von Jord und Martha.
Entgegen ihrer Vermutung schienen also doch nicht alle Patienten, die hier verweilten, zu sterben. Das war eine erfreuliche Nachricht.
„Was ist… mit dem kleinen Jungen…? Kann er geheilt werden?“, fragte sie schließlich und blickte die beiden Köche hoffend an.
Der Duft des Hirsebreis stieg ihr in die Nase, woraufhin sie nach dem dazu gereichten Löffel griff und den ersten Happen zu sich nahm. Es war…wirklich lecker.
„Das schmeckt vorzüglich. Fast genauso wie bei Mia“, sprach sie lobend zu Jord und Martha und nahm bereits den nächsten Löffel. Die nette Stimmung der beiden und das Gefühl, willkommen zu sein, ließen Akiko langsam etwas auftauen.
Genüsslich kaute sie vor sich hin und dachte nicht mehr über ihre Unsicherheit oder ihre Ängste nach. Außerdem war Kha ja auch noch da.
„Und Kha, wie schmeckt es euch?“, fragte sie nun unbekümmert und schaute ihn an.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Fr Feb 28, 2014 10:28 pm

„Ihr habt noch nie von den Gildenkämpfen gehört?“, erkundigte sich Jord erstaunt. „Ihr müsst sehr abgeschieden gelebt haben.“ Dies war keine Frage, sondern eine Feststellung, auf die er keine Antwort erwartete.
„Wo soll ich nur beginnen?“ Er blickte kurz nachdenklich in die Luft, bevor er zu erklären begann: „Zuerst zu deiner zweiten Frage, der einfacheren: Eine Gilde oder ein Orden ist eine Gemeinschaft von Menschen mit ähnlichen Interessen oder Fähigkeiten, zum Beispiel die Heilergilde hier. Hier arbeiten viele Heiler zusammen, teilen ihr Wissen, betreiben Forschungen, bilden neue Heiler aus und betreuen zusammen die vielen Kranken. Statt dass jeder für sich alleine arbeitet, können sie hier die Arbeit aufteilen und jeder spezialisiert sich auf das, was er am besten kann. Damit ist allen geholfen.“
„Und sie brauchen nicht jeder einen eigenen Koch anzustellen“, warf Martha lächelnd ein.
Jord nickte ungeduldig. „Wie gesagt, die meisten Heiler sind sehr zufrieden im Hospiz. Und die Leute schätzen das Hospiz, auch wenn sich einige lieber einen teuren Privatarzt leisten.“
Von Martha kam ein spöttisches Auflachen, auf das Jord jedoch nicht einging.
„Das ist also die Heilergilde“, fuhr er fort, „aber daneben gibt es noch viele andere Gilden, einige von Handwerkern, Händlern, Kriegern, Adeligen und sonstige von Leuten, die gerne mehr Einfluss hätten.“
„Und sich deshalb gerne die Schädel einschlagen“, ergänzte Martha, „und das dann hochtrabend „Gildenkampf“ nennen.“ Sie verdrehte die Augen und gab so zum Ausdruck, was sie davon hielt.
Jord schüttelte leicht den Kopf. „So einfach ist es leider nicht, denn in einigen Punkten haben sie schon recht.“
Martha gab ein verächtliches „Tz“ von sich, aber Jord fuhr unbeirrt weiter: „Vor vielen Jahren herrschte einmal ein König über ganz Amanohara. Aber es gab eine Katastrophe und das ganze Königreich zerfiel. Nun gibt es zwar noch Adelige, die über ihre Besitztümer herrschen, aber in den Städten leben auch sonst viele einflussreiche, unabhängige Bürger. Sie mögen diese Freiheit lieben, aber wer kümmert sich noch um die einfachen Leute? Wer schaut dafür, dass die Strassen sicher sind? Dass in schweren Wintern genug Essen vorhanden ist? Es braucht jemanden, der die Ordnung im Land halten kann.“
„Du mit deiner Ordnung“, warf Martha ein. „Keiner von denen da drinnen ist fähig, in seinen eigenen vier Wänden Ordnung zu halten.“ Spöttisch wies sie mit dem Kochlöffel Richtung Krankensaal. „Und um jemand anderen als sich selber kümmern sie sich sicher nicht.“
Ungeduldig winkte Jord ab. „Nicht die, die meisten von denen sind wirklich Idioten.“ Triumphierend leuchteten Marthas Augen auf. „Aber gerade darum bräuchte es jemanden, der ihnen auf die Finger schaut.“
Martha zuckte mit den Schultern und rührte schweigend in ihrem Topf, was Jord nicht daran hinderte, weiter zu diskutieren: „Nur, wer soll das sein? Wem sollte diese Aufgabe übertragen werden? In diesem Punkt sind sich leider viele uneins.“
„Weshalb sie sich die Schädel einschlagen und wir wieder beim Anfang wären“, unterbrach ihn Martha und wandte sich wieder an Akiko und Kha. „Eine sehr komplizierte Angelegenheit. Möchtet ihr Tee?“, fragte sie und drehte sich auch bereits zum Regal mit den Tassen um. „Ich habe Pfefferminze, Hagenbutten und einen Kräutersud im Angebot. Nicht ganz so schmackhaft wie die anderen, dafür sehr gut gegen Erkältung“, ergänzte sie zwinkernd.

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BeitragThema: Re: Hospiz   Do März 06, 2014 11:15 am

Das klang alles nicht gut. Schon eine sehr lange Zeit grassierte diese Krankheit. Auch wenn Kha sich nicht mit solchen Seuchen auskannte, sagte ihm sein Verstand das jede Krankheit die länger als 2 Wochen im Körper blieb nur Unheil anrichten konnte! Und wie es schien hatte sie ja auch schon unzählige Opfer gefordert.
Der Jäger versank wieder in seinen Gedanken und blickte in die Schüssel vor sich hinab, ohne diese wirklich zu erkennen. Als nun auch das Thema Gilden zur Sprache kam, hörte er zwar zu, beteiligte sich aber nicht. Vor sich sah er wieder die Krieger mit ihrem Wappen auf der Kleidung. Diese Leute die sein Dorf überfallen und alle Menschen dort getötet hatten... Se gehörten also einer Gilde an? Verfolgten alle das selbe Ziel? Er würde herausfinden welches Ziel das war! Und er würde sich dort hineinschmuggeln! Irgendwie! Egal wie lange es dauerte und egal wie viele Lügen er erzählen müsste!
Unbemerkt hatte er die Hand um den hölzernen Löffel geschlossen und drückte den Griff so fest er konnte. Seine Fingerknöchel zeichneten sich weiß ab und auch seine Schultern waren gespannt. Wieder trat die hasserfüllte Leere und Schwärze in seine Augen. Doch dieses Mal schien Akiko sie leichter durchbrechen zu können.
Sie fragte ihn wie es ihm schmeckte und als hätte sie seinen Kopf aus einem tiefen, schwarzen Gewässer gezogen, holte er tief Luft und sah sich einen Augenblick verwirrt um.
"Wie es mir...?" ,wiederholte er und blickte auf die Schüssel und seine Hand, die noch immer verkrampft den Löffel hielt. "Ich...habe es noch nicht gekostet." ,gestand er leiser werdend und legte den Löffel zur Seite.
Jord hatte recht...sie kamen nicht von hier. Ihre und auch seine Heimat lagen sehr abgeschieden. Oder sollte es viel mehr heißen, sie haben sehr abgeschieden gelegen? Beide konnten sie nicht mehr zurück.
Das kleine Streitgespräch der beiden Köche wäre unter anderen Umständen sicher amüsanter gewesen. Irgendwie schuldbewusst konnte Kha Akiko nur von der Seite ansehen und lächelte verlegen. Er hatte schon einmal die Kontrolle über sich verloren. Sie war die Einzige die ihn davor bewahren konnte auch noch den Verstand zu verlieren... zumindest hoffte er das. Die Muskeln wieder etwas entspannt, nahm er den Löffel wieder auf und probierte vom nahhaltigen Brei. Gekochtes Gemüse....wie lange war es her das er so etwas gegessen hatte? Doch wie schon zuvor, aß der Jäger sehr langsam und mit kleinen Bissen. "Es schmeckt wirklich wunderbar." ,gab er nun auch endlich seine Meinung preis und nickte dankend auf das Angebot hin ob sie Tee wollten. "Gerne." Die Wahl der Sorte überließ er seiner Begleitung.
Seine Rachepläne mussten erst einmal warten. Es würde ihm nichts bringen noch voller Wut und Hass vor zu gehen. Er hatte Jahrelang gewartet da würden ein paar Wochen nun auch nichts mehr ändern.
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Akiko Yoe
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BeitragThema: Re: Hospiz   Sa März 08, 2014 11:05 am

Die beiden Köche gingen nicht auf ihre Frage ein, ob der kleine Junge geheilt werden konnte. Vielleicht wussten sie es nicht.
Tatsächlich hatte Akiko wirklich noch nie von den Gildenkämpfen gehört. Die ganze Sache hörte sich wahrlich kompliziert an. Und auch ein wenig ironisch. Anstatt sich gegenseitig zu bekämpfen sollten die Menschen Hand in Hand gehen. Akiko war sich sicher, dass man auf diese Art und Weise viele gute Dinge erreichen könnte. Aber die Intelligenz der Menschen war Segen und Fluch zugleich.

So ernst das Thema doch war, so lustig war das Wortgefecht, das sich Jord und Martha untereinander lieferten. Es war als hätten sie es einstudiert. Ein Wort übertrumpfte das nächste und keiner schien zurück stecken zu wollen. Und doch war es ein offensichtlich friedliches Duell. Sie schienen so viel Respekt voreinander zu haben, dass jeder seine Meinung sagen und vertreten konnte. Das fand Akiko beeindruckend.

„Hagebutte gerne“, sagte Akiko und konnte sich ein breites schmunzeln nicht verkneifen. Natürlich nicht wegen des Tees, sondern wegen den beiden Köchen. Sie schienen ein gutes Team zu sein.
Kha, der sich etwas zurück gehalten hatte, lobte nun auch das Essen.
Akiko nickte zustimmend. Ja, es schmeckte fast so wie bei Mia. Mia war und ist auch heute die Köchin, die stets die Mahlzeiten in der Räuberbande zubereitete. Und sie beherrschte ihr Handwerk ebenso perfekt, wie es Jord und Martha taten.
Sie, Akiko’s Mutter Kuraiko und sie selbst waren die 3 einzigen Frauen in der Bande und alle waren sie durch eine innige Freundschaft und Zuneigung miteinander verbunden.

Für einen kurzen Moment trübte sich Akikos Lächeln, doch dann fasste sie sich schnell wieder. Jetzt war sie hier. Hier, in einer neuen Stadt, hier mit vielen neuen Menschen an ihrer Seite. Sie durfte nicht dauernd zurück blicken. Alles, worauf sie ihr Leben lang gewartet hatte lag nun vor ihr. Sie konnte sich ein neues Leben aufbauen. Keiner kannte sie und keiner würde sie für ihre vergangenen Taten verurteilen. Lediglich Kha wusste, natürlich nicht alles, aber doch einiges über sie. Wusste, dass sie ihr Leben damit verbracht hatte andere Leute zu bestehlen. Solche, die von Geburt an reich waren aber auch solche, die sich ihr Gold und ihren Schmuck erarbeitet hatten. Solange er sie nicht verraten würde, hatte sie die Möglichkeit eine neue, bessere Persönlichkeit zu werden.

Ihr Blick wanderte zu Kha, der sie ein wenig verlegen anlächelte und dann weiter aß. Warum hatte er so einen schuldbewussten Blick? Fragend schaute sie ihn weiter an und nahm einen weiteren Löffel ihres Hirsebreis zu sich.

„Nun…“, griff Akiko das Thema wieder auf, „Tanja sagte uns, dass sie Arbeit für uns hätten. Und nach ihren Erzählungen gibt es ja wirklich eine ganze Menge hier im Hospiz zu tun.
Wo oder wie können wir helfen?“, erkundigte sich nun Akiko unbeirrt. Schließlich waren sie ja deshalb hier her gekommen.
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BeitragThema: Re: Hospiz   So März 09, 2014 9:28 am

Martha füllte zwei Tassen, die sie auch bereits in der Hand gehabt hatte, mit Tee aus einem der Töpfe vor ihr. Die klare, rötliche Flüssigkeit dampfte stark, als die Köchin sie vor Akiko und Kha auf den Tisch stellte. Dass es heiss sei, brauchte sie gar nicht erst zu erwähnen.
„Ihr sucht nach Arbeit?“, erkundigte sich Jord auf Akikos Worte. „Zu tun gibt es tatsächlich einiges, aber da müsstet ihr erst mit Heilerin Indria sprechen. Sie ist die Leiterin des Hospiz.“
„Und die dürfte inzwischen schlafen gegangen sein“, warf Martha lächelnd ein.
„Schlafen?“, entgegnete Jord stirnrunzelnd. „Indria würde nie so früh ins Bett gehen, solange noch Kranke unversorgt im Hospiz ankommen. Hat sie sich nicht vor kurzem erst etwas zu essen bringen lassen?“
Martha lächelte nur weiter und griff ruhig wieder nach dem Löffel. Jord wirkte sichtlich verwirrt, bis er plötzlich die Augen aufriss und die Köchin anstarrte. „Du hast doch nicht etwa…?“
Diese rührte gelassen in ihren Töpfen und versuchte ihren Partner zu ignorieren, wobei immer noch ein leichtes Lächeln um ihre Lippen spielte.
„Martha?“, erkundigte sich Jord jedoch nachdrücklicher. Daraufhin hob sie abwehrend die Hände und entgegnete: „Sie hatte schon viel zu lange nicht mehr geschlafen. Wir brauchen sie lebend.“
Jord blickte sie kurz kopfschüttelnd an, dann zuckte er die Schultern und entgegnete: „Wenn sie dein Kraut nicht bemerkt hatte, musste sie wirklich sehr erschöpft gewesen sein.“ Martha lächelte nur stumm und nickte.
Der Koch seufzte kurz auf und wandte sich dann wieder an Kha und Akiko. „Ihr müsst wohl leider bis morgen warten, da unsere geschätzte Heilerin Indria bereits ins Bett gegangen ist – wenn auch nicht ganz freiwillig“, fügte er mit einem tadelnden Seitenblick auf Martha hinzu. „Ihr könnt gerne hier übernachten, wenn ihr das mögt“, bot er den Fremden an. „Sucht euch einfach ein freies Bett und falls ihr keines findet, könnt ihr es noch neben oder im Stall versuchen. Irgendwo sollte sich doch noch eine freie Pritsche finden lassen. Falls ihr Ärger bekommt, sagt einfach, ich hätte es euch erlaubt.“
„Und falls ihr noch nicht müde seid, könnte ihr euch auch noch im Hospiz umsehen“, fügte Martha hinzu. „Der Garten ist mein persönlicher Lieblingsort, der Kirschbaum ist momentan gerade herrlich. Passt nur auf wegen den Kräutern.“

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Kha Temeh
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BeitragThema: Re: Hospiz   So März 09, 2014 11:24 am

Sie bekamen jeweils eine Tasse dampfenden Tee's vorgesetzt. Kha leerte seine Schüssel mit dem Gemüse-Hirsebrei und zog die Tasse etwas näher zu sich heran. Beide Hände um das warme Gefäß gelegt, sah er zu den Köchen auf. Akiko sprach an, was auch ihm gerade durch den Kopf gegangen war. Doch so wie es aussah mussten sie noch etwas warten ehe sie helfen konnten.
Martha hatte die Leiterin des Hospiz mit ihren Kräutern in den Schlaf befördert? Eine seltsame Praxis. Doch schon Tanja hatte ihnen deutlich gemacht das man manche der Heilerinnen scheinbar zu ihrem 'Glück' zwingen musste. Prüfend sah der Jäger auf seinen Tee hinab. Bei Akiko und ihm würde man diese Vorgehensweise sicher nicht anwenden... wozu auch?
Ihnen wurde angeboten im Hospiz zu bleiben und dort auch zu übernachten. Doch es war noch zu früh um zu ruhen. Der Schwarzhaarige wand sich schweigend seinem Tee zu und überlegte. Akiko würde sich sicher gerne weiter im Hospiz umsehen. Besonders der kleine, kranke Junge schien es ihr angetan zu haben. Auch wenn er von seiner Mutter viel übers Heilen gelernt hatte, so wollte er sich nicht in die Behandlung der hier arbeitenden Heiler und Heilerinnen einmischen. Wie also konnte er noch helfen?
Während er nachdachte nippte er immer mal wieder an seinem Hagebuttentee, bis sich die Tasse vollständig geleert hatte. Kaum den letzten Schluck genommen, kam ihm endlich eine Idee. Kurzerhand erhob sich der Jäger und blickte zu Akiko.
"Kommt mit." ,bat er mit einem Kopfnicken hinüber zum Krankensaal und wartete bis sie sich ihm anschloss. In seiner Heimat gab es neben  Kräutern, Tinkturen und Salben noch etwas, das zur Heilung eines Kranken beitragen konnte. Er hatte es lange nicht mehr eingesetzt, doch vielleicht würde es nun helfen? Zumindest ein wenig...
Kha betrat den langgezogenen Raum mit den vielen Vorhängen und Stellwänden. Nahe der Pritsche auf der der kleine Junge lag, setzte er sich im Schneidersitz auf den Boden. Bereits einige Augenpaare richteten sich auf ihn, als er etwas aus seiner Tasche holte. Es war eine weiße, filigran gearbeitete, schmale Flöte. Etwas länger als seine ausgestreckte Handfläche. Ihr Oberfläche glänzte, als wäre sie aus einem glatten Stein gefertigt worden. Doch sie bestand aus einem Holz, dessen Maserung kaum zu erkennen war.
Musik war ein wunderbares Heilmittel. Es konnte Kummer und Einsamkeit vertreiben, Schmerzen lindern und Gefühle offenbaren. Nun hoffte der Jäger dies auch bei den unzähligen Patienten zu erreichen. Kurz blickte er noch einmal zu Akiko, bevor er das Ende der Flöte zwischen die Lippen nahm und anfing zu spielen.
Dabei schloss er die Augen und konzentrierte sich genau auf die Töne. Sie sollten durch den ganzen Raum hörbar sein, auch wenn sie hell und sanft waren.
Melody (Vangelis - Monastery of La Rabida)
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Akiko Yoe
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BeitragThema: Re: Hospiz   Di März 11, 2014 8:05 am

Akiko lauschte erneut den Gesprächen zwischen Martha und Jord. Als auch sie verstand, dass Martha wohl etwas bei dem Schläfchen der Leiterin Indria nachgeholfen hatte, setzte Akiko ihre Teetasse schlagartig ab. Doch nach kurzem zögern trank auch sie weiter. Sie hielt es für unwahrscheinlich, dass Martha etwas in den Tee von Kha und ihr getan hatte. Trotzdem war das wohl nicht die feine Art. Andererseits….wenn die Leiterin Indria ein ähnliches Verhalten wie Tanja an den Weg legte, dann konnte sich Akiko vorstellen, dass solche Maßnahmen womöglich der einzige Weg waren sie zur Ruhe zu bringen.

„Dann werden wir uns bis morgen gedulden“, entgegnete Akiko. „Und habt Dank, dass wir die Nacht hier verbringen dürfen“, fuhr sie fort und lächelte leicht. Sicherlich wäre es das Einfachste hier zu nächtigen. Es kostete nichts und man hatte ein Dach über den Kopf.
Solange sie kein Geld verdient hatten konnte sie sich ohnehin keine andere Unterkunft leisten. Und genau genommen war Akiko ohnehin nicht wählerisch. Wenn man sein Leben lang unter freiem Himmel oder nur mit provisorischem Dach im Wald geschlafen hatte, hatte man nicht wirklich Ansprüche.

Da die Heilerin nun schlief konnten sie und Kha auch die Gelegenheit nutzen sich noch etwas im Hospiz umzusehen. Gerade als Akiko den Vorschlag machen wollte Marthas Lieblingsplatz zu besichtigen, stand Kha auf und blickte sie an.
Er bat sie mitzukommen. Ein wenig irritiert trank Akiko schnell den letzten Schluck ihres Tees aus, bedankte sie noch einmal und folgte dann Kha.
Warum tat er denn plötzlich so geheimnisvoll?
Schnellen Schrittes marschierte er aus der Küche hinüber zum Krankensaal, setzte sich schließlich auf den Fußboden und holte eine Flöte zum Vorschein. Akiko folgte ihm, blieb jedoch im Türrahmen stehen.
Sie schaute wohl genauso gespannt und neugierig wie die Patienten, die seine Anwesenheit bemerkt hatten. Und dann, begann er zu spielen…

Beruhigende und sanfte Klänge verließen seine Flöte und tauchten den Krankensaal in eine warme Umgebung. Akiko blieb stumm, nur ihr Mund war ein wenig vor Erstaunen geöffnet. Diese Melodie klang so heilsam und friedlich, sodass sie sofort ans Herz ging. Und Akiko schien nicht allein mit diesem Gefühl zu sein, denn immer mehr Patienten richteten ihren Blick auf Kha oder setzten sich sogar in ihren Betten auf, wenn sie die körperliche Kraft dazu hatten.
Dieses Lied klang einfach wunderschön. Sie war sich sicher, dass Kha in seinem Heimatdorf gelernt hatte auf der Flöte zu spielen. Zu gerne hätte sie einmal gesehen, wie das Leben in seinem Dorf ausgesehen hätte. Diese Musik war heilsam. Auch Akiko tat sie gut und ließ sie tatsächlich für einen Moment lang alles um sich herum vergessen. Sie lauschte einfach nur den sanften Tönen und schloss ihre Augen.
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Kha Temeh
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BeitragThema: Re: Hospiz   Sa Apr 12, 2014 8:05 am

Es schien den gewünschten Erfolg zu bringen. Die Patienten hörten ihm aufmerksam zu und auch Akiko schloss die Augen um zu lauschen. Doch er hatte sich noch etwas erhofft durch sein Flötenspiel. Die Melodie hatte er zusammen mit seinen beiden, kleinen Schwestern erfunden. Doch es gab sicher ähnliche Lieder auch in dieser Stadt oder diesem Teil des Landes. So wiederholte er einige Male das kurze Lied bis sicher so gut wie jeder es hätte mit summen können. Und endlich geschah auch das, was er sich erhofft hatte. Einer der Patienten begann ganz leicht mit den Fingern auf den hölzernen Rahmen seiner Pritsche zu tippen. Zwei weitere, junge Männer besaßen ebenfalls Instrumente, die sie nun zückten und in die Melodie einstiegen. Und schließlich begannen einige der Frauen zu summen und auch der kleine Junge stieg in den schnell improvisierten Gesang mit ein. Ohne sein Zutun wurde das Lied nun etwas schneller, fröhlicher und lauter. So konnte er fast unbemerkt die Flöte wieder absetzen. Zu Akiko gesehen lächelte der Jäger leicht und erhob sich wieder. Manchmal brauchte es nur etwas Ablenkung um das eigene Leid zu vergessen.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Sa Mai 03, 2014 6:54 am

Die junge Frau schlug ihre Augen wieder auf, als sie hörte, dass einige der Patienten mit in das Lied einstimmten. Es war erstaunlich, in welch fröhliche Umgebung der Krankensaal plötzlich getaucht wurde. Auf einmal wirkten die Menschen darin unbeschwert. Diese kleine Abwechslung schien sie ein wenig aus ihrem Trott zu ziehen.
Kha wand sich zu Akiko und lächelte sie an.
Diese beugte sie zu Kha hinunter und lächelte ihn ebenfalls an.
„Wie habt ihr das gemacht? Das ist unglaublich!“, flüsterte sie sehr leise, um das Summen der Patienten nicht zu stören.
Kha hatte diese Reaktion scheinbar hervorgesehen und durch sein Flötenspiel alle motiviert. Wieder zeigte sich, dass er einfach eine ganz andere Menschenkenntnis hatte als Akiko.
Nach ein paar Minuten war der Gesang der Patienten verstummt, doch die gute Laune lag noch im Raum. Einige Bettnachbarn begannen miteinander zu sprechen und andere beäugten den fremden Flötenspieler. Zwei Frauen warfen Kha ganz entzückte Blicke zu und begannen dann leise kichern. Es war offensichtlich, dass sie deutlich älter waren als der Jäger, doch das schien sie nicht davon abzuhalten stumm mit ihm zu flirten.
Akiko konnte sich ein tiefes Grinsen nicht verkneifen, als sie die Situation verstand.
Kameradschaftlich stieß sie Kha leicht in die Flanke.
„Ihr seit ja ein wahrer Herzensbrecher, Kha!“, sprach sie belustigt und reichte ihm dann die Hand, um ihm wieder aufzuhelfen.
„Wollen wir uns noch etwas umsehen? Ich denke die Patienten werden wir in den nächsten Tagen besser kennen lernen. Es sei denn ihr wollt euch gleich mit den beiden Damen unterhalten.“
Akiko lachte kurz auf. Und es tat ihr gut. In letzter Zeit hatte sie nicht viel gelacht. Zu lange war sie unterdrückt worden und hatte sich nicht frei entfalten können. Diese Unbeschwertheit und Fröhlichkeit musste sie wohl erst wieder lernen zu zulassen.
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Kha Temeh
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BeitragThema: Re: Hospiz   Fr Jun 20, 2014 11:13 am

Wie er das gemacht hatte? Es war nicht schwer. Menschen waren Herdentiere oder auch Rudeltiere. Wenn einer die Führung übernahm passierte es schnell das andere ihm folgten. Wenn einer musizierte, schlossen sich andere an. Das funktionierte bei schönen Dingen wie Musik, Tanz oder dem Lachen aber leider auch bei schrecklichen Dingen wie Kriegen, der Hetze anderer Menschen oder dem Hass. Auch dort konnten sich Menschen einem Führer anschließen. Das Lied begann langsam zu verschwimmen, doch die dadurch geweckte, gute Stimmung blieb noch etwas. Viele der Patienten waren nun wieder munterer, nahmen ihre Nachbarn mehr wahr oder aber die beiden Neuankömmlinge.
Kha bekam einen leichten Stoß in die Flanke und sah fragend zu Akiko, die in eine bestimmte Richtung sah und meinte er wäre ein wahrer Herzensbrecher. Ihrem Blick noch verständnislos gefolgt, bemerkte auch der Jäger nun die vielsagenden Augenaufschläge der beiden Frauen. Kha spürte sofort, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. Er war schon immer recht scheu und verlegen gewesen, wenn man ihn so direkt anflirtete. Seine große Liebe Feh hatte es geliebt ihn damit zu necken und zu ärgern. Das die Damen älter waren wie er und sich vermutlich ebenfalls einen Spaß daraus machten ihm solche Blicke zu zu werfen, daran dachte der Jäger weniger. Den Blick eilig gen Boden gesenkt, ließ er sich von Akiko aufhelfen, als diese ihm die Hand reichte. Fast wie ein kleiner Junge brachte der Schwarzhaarige kein Wort mehr heraus. Nur ein leichtes, verlegenes Lächeln zierte seine schmalen Lippen. Mit fahrigen Fingern verstaute er die Flöte und richtete seine Kleider ehe er seine Begleiterin wieder ansah. Alles nur um etwas Zeit zu schinden, in der Hoffnung etwas an Farbe zu verlieren. "Lasst uns das Gelände erkunden." ,sagte er leise, nickte angedeutet und wand sich bereits zum Gehen.
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BeitragThema: Re: Hospiz   So Jul 13, 2014 11:26 pm

Auch als sich Kha und Akiko abwandten, hielt die aufgelockerte Stimmung an. Einige Patienten redeten leise, zumindest jene, die genug kräftig waren. Die anderen lagen stumm auf ihren Pritschen und lauschten zufrieden dem beruhigenden Murmeln der übrigen.
„Gut gemacht, Spielmann“, ertönte da eine tiefe Stimme von rechts. Ein gross gewachsener Mann Ende Zwanzig lehnte gelassen neben den Fensterbogen an der Mauer und blickte ihnen entgegen. Er trug Lederhosen, Lederstiefel und ein ärmelloses Leinenhemd. Die Arme hatte er vor der Brust verschränkt und angespannt, wobei seine trainierten Muskeln leicht hervortraten. „Diese Friedhofstimmung war ja kaum zu ertragen. Entschuldige, dass ich nicht mitgesungen habe, aber es ist dir lieber so, glaub mir“, fügte er mit einem kurzen Lacher hinzu.
Dann fiel sein Blick auf Akiko und blieben an ihrem Schwert. „Bist du Söldnerin?“, erkundigte er sich. „Und wie hast du die Heilerinnen dazu gebracht, dich mit einer Waffe hier hereinzulassen?“, fragte er mit einem Zwinkern.

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BeitragThema: Re: Hospiz   Do Jul 17, 2014 8:29 am

Es war interessant zu sehen, dass Kha so schnell errötete. Genau genommen war es keine große Sache und doch schien es ihm wohl etwas peinlich zu sein. Ayame schmunzelte, zog ihn aber nicht weiter daran auf. Gerade als die beiden den Krankensaal verlassen wollten, um das restliche Gelände des Hospizes zu erkunden, ertönte eine tiefe Stimme, zu der ein kräftiger, muskulöser Mann gehörte. Er schien etwas jünger zu sein als Jord.
Ob er auch hier im Hospiz arbeitete? Seiner Statur nach zu urteilen hätte er eher Handwerker oder Bauer sein können. Ohne Scheu verwickelte er die beiden in ein Gespräch. Schließlich sprach er Akiko auf ihre Waffe an. Fragte, ob sie eine Söldnerin sei. Wenn er wüsste, dass sie nicht der Jäger, sondern sie gejagte war…doch seine Frage war berechtigt. Selbst Akiko hatte sich gewundert, dass sie noch nicht eher auf das Schwert angesprochen wurde, dass sie auf ihrem Rücken trug. Als sie und Kha auf dem Weg nach Tinae waren hatte sie sich entschieden, das Schwert gegen eine Waffe einzutauschen, die besser zu ihr passte. Doch die beiden waren kaum angekommen und bisher hatte sich noch keine Gelegenheit zu einem Tausch ergeben. Außerdem wusste die junge Frau auch noch nicht, welche Waffe geeignet für sie wäre. Nur eines wusste sie.
Sie würde sich ohne Waffe nirgendwo hin begeben. Sie war haarscharf dem Tode entgangen. Und auch wenn sie nun an einem anderen Ort war, so konnte sie nicht dauerhaft davon ausgehen, dass ihr hier keine Gefahren drohen würden.

Sie blickte den jungen Mann an, verengte dann ihre Augen ein wenig und verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust. Bewusst schwieg sie einen weiteren Augenblick, bis sie ihm schließlich antwortete:
„Und wenn dem so wäre? Was würdest du dann tun…?“ Ihr Blick war durchdringend und ihre Stimme klang herausfordernd. Unbewusst nahm sie wieder die Haltung ein, die sie viele, viele Jahre in der Räuberbande gezeigt hatte. Und da er sie sogleich duzte, hielt auch sie nicht an Höflichkeitsformen fest. Kha war in diesem Moment beinahe ausgeblendet. Er forderte sie heraus und sie biss an. So wie sie es früher auch schon getan hatte. Denn wäre sie zurück gewichen, wäre sie verwundbar gewesen. Obwohl sie lächelte wurden ihre Gesichtszüge etwas härter.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Fr Jul 18, 2014 9:52 am

„Hei, ganz ruhig“, wehrte der Mann lachend ab und hob beschwichtigend seine Hände. „Prügeleien werden hier überhaupt nicht gerne gesehen und mit Heilerinnen verspasst man es sich lieber nicht. Ich meine, wer hat schon eine Ahnung, was die einem in die Tränke mischen können?“ Er grinste Akiko breit an.
„Wen dem so wäre“, wiederholte er ihre Worte und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: „Dann würde ich dich als Berufskollegin in dieser wunderschönen Stadt willkommen heissen. Gestatten, mich vorzustellen: Lorek mein Name.“ Er streckte ihr seine Hand entgegen, um diese kräftig zu drücken. Dabei waren auch die Schwielen an seinen Handinnenfläche zu spüren. „Ich kann mich nicht erinnern, dich je gesehen zu haben. Und schöne Kriegerinnen vergesse ich nie“, fügte er mit einem Zwinkern hinzu. „Also sind wir uns bedauerlicherweise noch nie über den Weg gelaufen, oder du bis erst gerade in die Stadt gekommen. Keine Sorge, wirst dich schnell zurechtfinden.“
Bevor er erneut auflachte, schien ihm bewusst zu werden, wo er sich gerade befand. Er warf einen kurzen Blick auf die Krankenbetten, bevor er sich wieder an sie wandte.
„Wird wohl noch eine Weile dauern, bis sie meine Medizin hergestellt haben. Was dagegen, in den Hof zu gehen? Dort kannst du gerne auch dein Duell haben, will mir nämlich nicht nachsagen lassen, ich hätte mich gedrückt. Wobei: mich wollten sie unerklärlicherweise nicht mit Waffe hier hereinlassen.“

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BeitragThema: Re: Hospiz   Sa Aug 23, 2014 5:40 am

Die Reaktion des Mannes überraschte Akiko. Anders als sie es gewohnt war, antwortete er ihr heiter und lachend, ja er schien beinahe schon amüsiert zu sein, obwohl er sie nicht auslachte. Ungläubig lauschte sie seinen Worten und ihre Augen weiteten sich leicht. Berufskollegin?! Das hieß folglich, dass er, Lorek, ein Söldner war. Bevor ihr die Bedeutung des Wortes richtig bewusst wurde, drückte er schon kräftig ihre Hand. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Die Hand, die er ihr gerade gereicht hatte, hatte Menschenleben auf dem Gewissen. Er grinste breit übers ganze Gesicht, sodass man ihn eigentlich für einen lustigen Kerl hätte halten können, doch scheinbar hatte dieser Mensch auch eine dunkle Schattenseite an sich.  Akiko war fassungslos. War das nicht etwas, was man unter allen Umständen geheim halten musste?! Und er plauderte es einfach aus, so als hätte er ihr sein Lieblingsgericht verraten. Der Druck seiner Hand holte sie schließlich ins hier und jetzt zurück. Ein Lächeln umspielte wieder ihre Lippen.

„Du schmeichelt mir. Aber von Kollegin kann nicht die Rede sein. Ich bin tatsächlich erst in der Stadt angekommen, doch ich verfolge andere Ziele als du.“, entgegnete sie und musterte ihn noch einmal etwas gründlicher. Kollegin…nein das war sie mit Sicherheit nicht. Sie hatte zwar viel geraubt und geplündert, doch gemordet hatte sie nie!
Konnte es eine Erklärung dafür geben, dass jemand andere Menschen tötete? Konnte man es verstehen? Nachvollziehen? Vielleicht sogar dulden? Neben diesen Gedanken drängte sich auch die Frage in ihren Kopf, was ein Söldner in einem Hospiz suchte?! Er würde wohl kaum einen Krankenbesuch abhalten. Schlagartig kam ihr ein böser Gedanke in den Sinn. Söldner töteten im Auftrag von anderen gegen Geld, Gold oder andere Wertschätze. Es gab also meist einen Auftraggeber, der sich jedoch selbst nicht die Hände schmutzig machte. Wenn nun jemand von Ryo´s Räuberbande bemerkt haben sollte, dass sie doch nicht tot war? Wäre es möglich, dass Lorek in deren Auftrag kam?! War es möglich, dass sie vielleicht unbemerkt verfolgt wurde? Panik machte sie in ihr breit, doch sie rief sich zur Besinnung. Sie musste die Nerven behalten. Womöglich hatte Loreks Auftauchen und die Begegnung mit ihr keine Bedeutung und war rein zufällig entstanden. In diesem Fall würde sie nur Misstrauen auf sich ziehen, wenn sie nervös werden würde. Und wenn sein Eintreffen hier tatsächlich kein Zufall war, dann würde ihr ihre Angst auch nicht weiterhelfen. Sie zuckte kaum merklich zusammen, als er vorschlug nach draußen zu gehen. Wollte er alleine sein?! Andererseits – ein Saal voller kranken Patienten und ein paar Heilerinnen würden ihr auch nicht helfen können, sollte er feindliche Absichten hegen. Sie war wohl oder über auf sich alleine gestellt.

„Womöglich liegt es daran, dass du so offenherzig über dein „Handwerk“ sprichst, dass dich die Heilerinnen nicht mit Waffe hinein gelassen haben.“, spekulierte sie schmunzelnd.
„Ich verzichte auf ein Duell. Aber gegen etwas frische Luft hätte ich auch nichts einzuwenden“, ergänzte sie und deutete mir ihrer Hand gen Außentür.
„Nach dir“, fügte sie lächeln an und hoffte so das Zittern in ihren Beinen verbergen zu können.

„Was führt jemanden wie dich in ein Hospiz?“, fragte sie schließlich, während sie ihm folgte. Doch war ihr seine Antwort wirklich wichtig? Ganz gleich was er erwidern würde, ihr Misstrauen würde sich nicht so schnell wieder legen lassen...denn sie wusste nicht, ob sie noch die "Gejagte" war oder nicht.


Zuletzt von Akiko Yoe am Mo Aug 25, 2014 1:35 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Hospiz   So Aug 24, 2014 9:29 pm

OUT: ups, da missverstehen wir uns gewaltig. Ein Söldner ist ein Krieger, der gegen Bezahlung (Sold) für jemanden kämpft, obwohl es ihn persönlich eigentlich nicht interessiert. Für mich kann das in einem Krieg, als Bewacher oder im Geleitschutz sein. Halt ein Kämpfer mit einziger Motivation, durch das Kämpfen Geld zu verdienen (im Gegensatz zu sonstigen Kriegern, die für ihr Land kämpfen, ihre Stadt bewachen, ihren Glauben verteidigen etc.). Weil ich das Missverständnis jedoch noch lustig finde, treibe ich es noch weiter. Darfst es gerne auflösen Wink.

IN:
„Andere Ziele als ich“, fragte Lorek mit hochgezogener Augenbraue. Er überlegte kurz und winkte schnell ab, als ihm scheinbar ein Einfall gekommen war. „Erzähl mir bitte nicht mehr davon, ich würde gerne auch weiterhin beruhigt schlafen gehen können.“ Vorsichtigerweise hielt er trotzdem etwas Abstand zu der seltsamen Kriegerin.
Es entstand ein peinliches Schweigen, während derer sich jeder seine Gedanken machte und durch die gezogenen Schlüsse merklich vorsichtiger wurde. Loreks Grinsen verschwand, allerdings schien er gleichzeitig vorsichtig als auch verwundert über Akikos Unsicherheit zu sein. Schnell warf er einen Blick auf ihren Begleiter, wurde dadurch aber auch nicht schlauer.
Er konnte es kaum glauben, aber die Frau wirkte beinahe … verängstigt. Wozu? Wovor hatte sich eine Schattenkriegerin zu fürchten? Lag es daran, dass sie erst in der Stadt angekommen war und sich noch nicht mit der hiesigen Unterwelt bekannt gemacht hatte. Wobei Lorek stolz behaupten konnte, viel zur Dezimierung derselben beigetragen zu haben.
Die Frau wirkte eigentlich ganz freundlich, aber Lorek hatte nun mal eine Schwäche für schöne Frauen und würde es kaum über sich bringen, sie zu bekämpfen, sollte sie tatsächlich sein, was er vermutete. Wobei eigentlich auch ihre Kleidung nicht zu einer Schattenkriegerin passte, sollte man da nicht lieber etwas … Unauffälligeres anziehen?
Aus ihren Worten wurde er auch nicht so richtig schlau, wieso sprach sie so kryptisch über SEINE Arbeit? Schnell trat er durch den Torbogen in den Innenhof und drehte sich dann schnell wieder um, um der Kriegerin so kurz wie möglich den Rücken zukehren zu müssen.
„Mein „Handwerk“?, wiederholte er schliesslich, weil ihm gerade nichts besseres einfiel. „Es gibt so viele Söldner in der Stadt, wieso sollte man das geheim halten? Auch die Heilerinnen heuern gelegentlich welche an, um ihre Kutschen zu schützen.“

„Ist es wegen den Krenhas?“, erkundigte er sich plötzlich, als ihm ein anderer Einfall gekommen war. „Hei, für die hat doch fast jeder schon einmal gearbeitet. Die Händler haben nun mal genug Geld, um einem für den Geleitschutz anständig bezahlen zu können.  Ich hatte ja keine Ahnung, dass sie zu solchen Taten in der Lage wären. Als ich davon erfuhr, packte ich sofort meine Sachen und ging. Habe sogar auf meinen letzten Sold verzichtet.“
Die Situation schein ihm immer verworrener zu werden. Plötzlich fragte sie ihn, was er hier im Hospiz täte. Warum der abrupte Themenwechsel?
„Medizin abholen“, antwortete er vorsichtig und beobachtete sie taxierend. Wenn sich die Situation nicht bald klärte, wollte er sich schnell verabschieden. Möglicherweise sollte er wohl die Stadtwache über die seltsame Kriegerin informieren, die verhielt sich wirklich seltsam.

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BeitragThema: Re: Hospiz   Mo Aug 25, 2014 2:01 am

(out: Upsi, ja da haben wir wohl wirklich etwas aneinander vorbei geredet ^^“ Stimmt wohl, kämpfen und morden müssen wohl nicht immer Hand in Hand gehen. Aber dein  Beitrag ist super, ich hab mich schief gelacht XD )

in:

Akiko zog die Augenbrauen skeptisch nach oben. Er wollte keine weiteren Einzelheiten wissen – um nachts ruhig schlafen zu können. Was war denn das für ein zusammenhangloses Gefasel?! Wie konnte man mit so einem Gewissen je wieder nachts schlafen?! Ihr fiel auf, dass plötzlich auch Lorek auf Abstand ging. Mit ausdrucksloser Miene warf er einen Blick zu Kha, der den beiden folgte. Wo war plötzlich das heitere und lustige Grinsen hin? Akiko schluckte. Oh Gott, bereitete er etwa seinen Plan vor? Jetzt?! In diesem Moment?!
Den Torbogen durchquert, drehte er sich ruckartig um. Nahezu gleichzeitig erstarrte auch Akiko  und blieb wie ein Baum am Boden angewurzelt stehen, sodass wohl nicht mal ein Sturm sie hätte wegwehen können. Während sie sein Gesicht fixierte, schlug ihr Herz ihr bis zum Hals.

„Krenhas….?“, fragte sie nur verständnislos nach. Davon hatte sie noch nie gehört. Wovon sprach dieser Lorek eigentlich? Die Sache wurde immer verworrener. Zudem konnte sie fühlen, dass inzwischen auch er angespannt war. Dennoch sprach er weiter. Als er jedoch erzählte, dass selbst die Heilerinnen Söldner engagierten, konnte sich Akiko nicht mehr zurückhalten.  Der wollte sie doch auf den Arm nehmen!

„So ein Unsinn!“, rief sie schließlich aus und ballte ihre Hände zu Fäusten.
„Ich glaube dir nicht! Heilerinnen sind gute Menschen, die mit ihrem Wissen und ihrer Fürsorge anderen Menschen helfen. Niemals würden solche Menschen Söldner anheuern, die gegen Bezahlung andere umbringen!“, sprach sie schnell und energisch, während sie ihn keine Sekunde aus den Augen ließ.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mi Aug 27, 2014 5:04 am

Äusserlich ruhig liess Lorek den Ausbruch der Frau über sich ergehen und entgegnete erst einmal nichts, während er den Grund für ihren Ärger zu finden versuchte. Denn zornig war sie, das war deutlich zu spüren. Er dagegen war jetzt noch verwirrter als vorher.
Mit nachdenklich gerunzelter Stirn betrachtet er sie eine ganze Weile schweigend und stellte schliesslich sachlich fest: „Nun, eine Schattenklinge bis du doch nicht.“ Doch war sie dann? Was meinte sie mit „andere Ziele verfolgen“?
Langsam sprach er weiter: „Eigentlich kenne ich nur eine Sorte von Menschen, die solche Ansichten vertritt: …“ Er biss sich auf die Zunge, damit ihm keine Beleidigung über die Lippen kam, denn die Liste an passenden Schimpfwörtern war lang: arrogante Gockel, aufgeplusterte Seidenhandschühchen, egozentrische Halsabschneider, dramaturgische Possenreisser, weinerliches Federvieh, blaublütige Hosenscheisser.
„Da ist mir schon klar, wieso Euch meine Arbeit nicht gefällt. Ihr lasst uns schliesslich nur zu gut spüren, was Ihr von Söldnern haltet“, fügte er leicht verbittert hinzu.  „Ihr haltet uns für unmoralisch und verrucht, weil wir für Geld kämpfen. Aber nur davon kann man nun mal leben.“ Er machte eine kurze Pause, bevor er weiter fuhr: „Ja, ich töte. Aber Ihr wisst ja nicht, wie oft ich auf meine Aufforderung zum Ergeben die Antwort bekomme: „Lieber sterbe ich!“ Und wenn ein Bandit mich auffordert: Geld oder Leben, fackle ich nicht lange, denn häufig genug wollen sie beides. Also verurteilt mich nicht dafür, dass ich anderen Leuten helfe, ihr Hab und Gut zu behalten und eine Reise sicher zu überstehen.“
Er betrachtete die Frau kurz abschätzig und fügte dann anklagend hinzu: „Wenn Ihr Hochwohlgeborenen Euch anständig um Eure Ländereien kümmern würdet, hätten die normalen Leute auch nicht so ein Problem mit Wegelagerern und Banditen. Und dann würde es uns auch nicht brauchen.“

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BeitragThema: Re: Hospiz   Mi Aug 27, 2014 8:54 am

Die Atmosphäre zwischen den beiden wandelte sich. Akiko hatte ihren Emotionen freien Lauf gelassen, da sie sich im Recht fühlte. Doch nun, wo sie Lorek´s Erklärungen folgte, spürte sie mehr und mehr ein unangenehmes Gefühl, dass sich in ihr breit machte. Er verteidigte seine Position. Im Gegensatz zu ihr war er Herr über seine Gefühle und ließ sich nicht zu solchen Äußerungen hinreißen wie sie. Ihre Miene änderte sich.
Hochwohlgeborenen. Hielt er sie für eine von denen?
Die bittere Erkenntnis, dass Diebe, so wie sie einer ist, oder war, einer der Auslöser waren, dass Menschen Söldner wurden, besudelte ihr Selbstwertgefühl aufs Neue.
So stand sie einige Momente reglos da, in denen sie Lorek nur ansah.
Ihre Befürchtung, dass Lorek evtl. von Ryo geschickt worden sein könnte, schien ihr inzwischen als unwahrscheinlich.

„…Ich…dachte immer… Söldner wären lediglich Mörder. Mir war nicht bewusst, dass ihr auch kämpft um zu beschützen.“, sprach sie, während sie immer noch über seine Worte nachdachte. Nun ergab es auch Sinn, dass selbst Heilerinnen Söldner anheuern sollten. Also hatte er wohl nicht gelogen.
Sie fühlte sich gerade ziemlich erbärmlich. Womöglich war sein Gewissen viel aufrichtiger, als ihres die meiste Zeit ihres Lebens gewesen war. Eine Flut von Scham und Schuldbewusstsein überkam sie. Ihr Zorn war längst verflogen. Viel mehr kremte sie nun der Gedanke, dass sie ihn als Schuldigen darstellte und ihm damit Unrecht getan hatte. Früher, als sie noch Mitglied der Räuberbande war, hätte sie ein Fehlverhalten niemals offen gestanden. Doch das sollte der Vergangenheit angehören. Sie wollte sich von ihrem Schatten der Vergangenheit lösen, weshalb ihr schnell klar wurde, dass sie sich entschuldigen musste. Falls das überhaupt noch etwas bringen würde. Lorek war sichtlich verärgert und er hatte guten Grund dazu.
Dabei war ein Missverständnis schuld daran.
„Es…“, begann sie, hielt dann jedoch inne um noch einmal tief Luft zu holen, und fuhr dann fort: „Es tut mir leid. Unwissenheit brachte mich dazu abfällig über euch zu reden. Bitte verzeiht mir. Wenn ihr erlaubt, dann würde ich es gerne wieder gutmachen…“, sagte sie aufrichtig und blickte vorsichtig zu ihm. Er hatte sie so herzlich empfangen, ohne Scheu und ohne Vorurteile. Sie hingegen hatte dies unbeabsichtigt mit Füßen getreten, da sie nur mit dem agierte, was ihr das Leben bisher gelehrt hatte. Verschlossenheit, Furcht, Unsicherheit.
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BeitragThema: Re: Hospiz   Mi Aug 27, 2014 9:41 am

Dieses Mal hatte Lorek gar keine bestimmte Reaktion erwartet, weshalb er auch nicht wirklich überrascht werden konnte. Er hatte nur gehofft, dass sich durch seine Erklärung diese verworrene Situation aufklärte. Was auch glücklicherweise geschah. Der Zorn der Frau verflog und sie blickte stattdessen verlegen auf ihre Füsse. Ihre leisen Worte verstand er kaum, aber was er hört, beruhigte ihn ungemein.
„Glücklicherweise besteht da ein grosser Unterschied“, erwiderte er mit einem versöhnlichen Lächeln. „Tut mir leid, dass dies anscheinend in deiner Heimat ein und dasselbe ist, vielleicht sollte ich dich einmal dorthin begleiten und die Leute eines Besseren belehren.“
Lorek überlegte kurz und gluckste dann unterdrückt. „Ich ein Meuchelmörder, stell dir nur vor.“ Erneut gluckste er. „Heimlich durch ein Fenster klettern oder in Abwasserkanälen herumkriechen!“ Erneut ein Glucksen. „Wobei ich mir sogar den Kopf anstosse, wenn ich durch eine einfache Türe gehe!“ Nun konnte er sich nicht mehr halten und lachte laut los.
Ihre Entschuldigung wedelte er mit der Hand beiseite, während er noch seinen Lachanfall unter Kontrolle zu bringen versuchte. „Geht schon in Ordnung. Ich habe dich erst für eine Schattenkriegerin gehalten und dann als adelige Grosskotzerin beschimpft, damit sind wir wohl quitt – sofern du mir jetzt nicht sagst, dass eines von beidem zutrifft“, ergänzte er mit hochgezogener Augenbraue. Doch inzwischen hatte er sich entspannt und sein fröhliches Lächeln war zurückgekehrt.
„Wir können ja noch einmal von vorne beginnen“, schlug der Söldner vor und streckte ihr sogleich die Hand entgegen. „Hallo, schöne Unbekannte. Mein Name ist Lorek, ehrenwerter Söldner aus Tinae. Freut mich, dich kennen zu lernen.“

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Kha Temeh
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BeitragThema: Re: Hospiz   Fr Aug 29, 2014 1:08 pm

Eine mehr als verwirrende Szenerie spielte sich vor Kha ab. Ein großgewachsener Mann in Lederhose und ärmellosem Leinenhemd stand plötzlich an der Wand und sprach ihn an. Er nannte ihn 'Spielmann'... Nach ein paar Scherzen galt seine Aufmerksamkeit jedoch mehr Akiko, mit der er auch sogleich ins Gespräch kam. Der Jäger tat das was er am Besten konnte. Schweigen. So erfuhr er auch eine ganze Menge über den Fremden. Sein Name war Lorek und er war ein Söldner. Erst als seine Begleiterin fast völlig aus der Haut fuhr, merkte Kha das sie wohl eine andere Vorstellung von Söldnern hatte. Soweit er sich erinnern konnte hatten diese aber durchaus keinen guten Ruf. Zumindest war es bei jenen so, die noch nie einen Söldner 'gebraucht' hatten. Kämpfen, beschützen, begleiten oder gar töten für Geld. Im Grunde war ein Söldner nichts weiter als ein käuflicher Soldat. Das machte seine Arbeit nicht schlechter. So wie sich Lorek gab, schien er ein lockerer und freundlicher Mann zu sein. Er machte Akiko Komplimente und ging zugleich auf ihre kleine Herausforderung ein. Ebenfalls etwas irritiert beobachtete Kha ihr Verhalten. Hatte sie etwa Angst vor ihm? Da er ihre Vergangenheit ein wenig kannte, brachte er ihre Reaktion damit in Verbindung. Sie verließen das Gebäude und betraten den Innenhof. Dort schien sich die Sache dann endlich auf zu klären. Der Schwarzhaarige war froh das es nicht zum Streit kam. Wobei Akiko selbst mit ihrem Schwert vermutlich gegen diesen muskulösen Krieger unterliegen würde. Und er auch...
Ein Glück das Lorek scheinbar ein friedfertiger Mann war und die Entschuldigung von Akiko annahm. Er ging sogar soweit das er sich erneut bei ihr vorstellte. Der Jäger fühlte sich grade wie das 5 Rad am Wagen. Dennoch wich er nicht von Akikos Seite.
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