Der solide Holzbau der Stallanlage ist erfüllt vom Stampfen und Wiehern der Pferde, hin und wieder mischt sich auf der Schrei eines Esels oder, eher vereinzelt, das Röhren eines Dromedars dazwischen. Stallburschen eilen mit großen Weidenkörben voll Futter oder Schubkarren mit dampfendem Mist ein und aus, und ein Aufseher dirigiert mit lauter Stimme die Behandlung. Es riecht sehr durchdringend nach Pferd und den Schwalben, die im Gebälk nisten.
Es ist eine hölzerne Tafel mit den Mitgebühren für die einzelnen Tiere angeschlagen.
Die besagte Tafel begutachtete Sun Tzu eher missmutig. Der intensive Geruch nach Tier brachte seinen Magen in Aufruhr. Er hielt problemlos den Gestank von Schwefel oder angebranntem Horn aus, doch dieser zutiefst natürliche Geruch verursachte ihm Übelkeit.
Ähnlich wie die Mietpreise und das diverse Kleingedruckte auf dem Schild, kaum noch lesbar übrigens. Es befasste sich mit den Klauseln für den Fall, dass das gemietete Tier irgendwie Schaden erlitt oder sonstig verloren oder unbrauchbar wurde. Und wenn er das so betrachtete, konnte er sich kaum vorstellen, dass es ihm gelingen würde, irgendeine dieser Klauseln nicht zu brechen.
Und zu allem Überfluss war Shi-chi-chi eifrig auf Schwalbenjagd gegangen - es konnte sich also nur noch um Sekunden handeln, bis irgendeine Aufruhr entstand, weil das Frettchen etwas kaputt gemacht hatte oder die Pferde aufgeschreckt hatte. Und Sun wollte nicht in der Nähe sein, wenn es so kam.
Grummelnd bezahlte er den Aufseher ohne viel Feilschen für eine Frist von zwei Tagen. Sun konnte nicht gut mit Tieren umgehen, doch er brauchte ein Transportmittel für seine Waren. Waren, die nicht kaputt gehen durften.
Mit wachsender Nervosität beobachtete er, wie ein Knecht ein störrisches, zu groß geratenes Pony aus dem Stall zerrte. Sun mied sorgfältig den anklagenden Blick der Fuchsstute, der soeben ihr Frühstück verwehrt worden war, und nahm mit klammen Fingern die Leine. Der Knecht wünschte ihm mit einem verschmitzten Grinsen viel Spaß mit dem 'kleinen Biest', das auf den klingenden Namen 'Aurelia' hörte. Den würde er haben.
"Shi-chi-chi!"
Aurelia und der Knecht starrten ihn befremdet an. Sun zwang sich zu einem beiläufigen Lächeln und klopfte unauffällig auf seinen Oberschenkel. Mehr aus Zufall als aus Gehorsam trippelte das Frettchen tatsächlich aus dem Stall, ein nacktes, totes Schwalbenküken im Maul. Mit dieser Beute kletterte er - Sun nahm an, dass es ein Er war - am Bein des Alchemisten hoch auf seine Schulter, um dort geräuschvoll zu speisen.
Sun unterdrückte ein Würgen und zog Aurelia mit sich, das ekelhafte Knirschen ganz nah an seinem Ohr.
Verspricht, ein wunderbarer Tag zu werden., dachte Sun trocken und machte sich auf den Weg zur Ladenstraße. Unterwegs würde er Aurelia beladen und... auf gutes Geschäft hoffen.
Neben ihm knackte Shi-chi-chi genießerisch den Schädel des Kükens.
O ja, wunderbarer Tag. Zweifellos.